Schneelast

Ja, es hat geschneit und zwar so richtig.

Selbst meine Freunde in Köln dürfen sich über den Schnee freuen.

Uns legt es hier etwas lahm.

Die Kinder haben keinen Präsenzunterricht, ich mache im Haus nicht viel.

Der Schnee ist wie eine Decke und scheint uns drei die Absolution zu geben nichts zu tun (außer Schnee schaufeln).

Aber irgendwie sind wir den ganzen Januar noch nicht richtig in den Tritt gekommen.

Durch den Husten der Kids stellte sich nicht so ein richtiger Alltag ein und jetzt wo sie wieder einigermaßen fit sind , bleiben sie gleich wieder Zuhause.

Das ist viel zu viel Zeit zum Nachdenken.

Ich merke wie ich seit zwei Tagen in Dauerschleife traurig bin.

Am Wochenende war ich auf einem Geburtstag und ich habe mich erstaunlich gut gefühlt. Umso blöder fühlt sich der Rückschritt an.

Ich denke daran wie wir Luise in Köln bekommen haben, wie sehr es auch damals schneite. Thomas und ich im Park voll mit Schnee mit ihr spazieren gehen.

Ich denke an Schlitten fahren vor dem Haus vor drei Jahren. Als er die Schulter gebrochen hat.

Ich denke daran wie wir zusammen so lahme Tage genutzt haben.

Gesellschaftsspiele gespielt haben, gegessen haben, wie er mit Luise über die Protagonisten ihrer gemeinsame Serie philosophiert.

Nachts schlafe ich schlecht, wahrscheinlich bewege ich mich zu wenig.

Die Gedanken an Tod bestimmen Stunden.

Wie er geweint hat , als ich ihn abgeholt habe von der Klinik , sodass ich kurz vor Zuhause angehalten habe.

Wie er gesagt hat: Scheiße, Julia. Wenn ich an den Elias denke….

Wie ich Luise gesagt habe , dass Thomas gestorben ist und dachte dass Elias noch schläft. Er es aber gehört hat und ein Schrei aus seinem Zimmer kommt.

Ich spüre sein Herzklopfen jetzt noch.

Er fehlt mit in diesen Tagen so sehr.

Mein Mann war ja auch mein bester Freund irgendwie.

Wenn mir langweilig war hab ich ihm genervt,

Wenn ich stolz auf mich war hab ich ihm das erzählt.

Wenn ich einen Tip brauchte habe ich ihn gefragt.

Wenn es neuen Tratsch und Klatsch gab, hab ich es mit ihm geteilt.

Wenn ich mich geärgert habe über jemanden , hat er auch mal gesagt, dass ich Recht habe mich auch mal zu ärgern aber dann hat er mich wieder beruhigt und gesagt, wie wichtig diese Menschen sind.

Wir haben soviel gelacht zusammen.

Und soviel Nähe ausgetauscht.

Soviel Liebe geteilt.

Von 100 auf o.

Es gibt so Tage da legt nicht nur der Schnee mich lahm.

2 Antworten zu „Schneelast”.

  1. Er war ein Teil, er ist ein Teil und er wird immer ein Teil von dir, von euch bleiben. Es wird immer wieder Situationen geben, die Erinnerungen wach rufen. Das ist einerseits gut, weil einfach menschlich. Andererseits nicht so gut, weil schmerzhaft. Mit dieser Symbiose wirst du es noch lange zu tun haben.
    Irgendwann schmilzt der Schnee und diese Decke, die alles andere überdeckt, wird verschwinden. Die Erinnerung wird natürlich nicht verschwinden, aber der Schwermut. Dieses Gefühl, es erdrückt dich. Solche Begebenheiten, wie der Geburtstag solltest du aufsaugen, wie ein Schwamm. Es gibt Menschen die mit dir lachen wollen, die dich, bewusst, unbewusst, ablenken wollen. Einer fehlt, er wird immer fehlen. Daran wirst du nichts ändern. Du kannst dir und deinen Lieben zeigen, dass ihr das schafft.
    Der Schnee wird schmelzen. Die Blumen werden sprießen und neues Leben wird geschenkt. Auch, wenn er fehlt.

    Like

Hinterlasse eine Antwort zu madeinheaven1 Antwort abbrechen