Sterben ist ein Teil vom Leben

Mir geht es gut.

Ich bin glücklich.

Das ist bestimmt auch der Grund warum ihr so wenig von mir lesen könnt.

Mein Leben ist gesättigt mit Aufgaben , manchmal so viele , dass ich kaum hinterherkomme aber es befriedigt mich sehr, wenn ich den Tag am Ende als „gut geschafft“ empfinde und hundemüde im Bett liege.

Aber eigentlich will ich davon berichten, dass jemand hier im Dorf gestorben ist.

Eine ältere Dame .

Aber was ist heute schon alt, wenn man bedenkt, dass die Medizin uns mittlerweile am Leben erhält bis es wirklich keinen Ausweg gibt.

80 Jahre Leben empfinden manche mittlerweile schon nur noch OK. Länger geht irgendwie immer.

Und ich verstehe das.

Egal , wie alt man ist, man hat immer noch was zu tun, zu erleben, zu lernen, etwas zu fühlen.

Es ist schon zwei Wochen her , dass die Dame gestorben ist und erst heute nehme ich mir ein wenig Zeit um zu ihrem Mann zu gehen.

Seit Thomas gestorben ist, kann ich gar nicht verstehen, dass man keinen Kondolenz Besuch macht. Einmal anhalten und sagen , dass man den Schmerz versteht und an die Trauernden denkt, ist das Mindestes was man tun kann. Die Welt steht für diese Menschen still und alle hetzen weiter an ihnen vorbei als wäre nichts geschehen.

Ich habe keine Angst mehr vor Besuchen wie diesem.

Ich werde reingebeten und er erzählt. alles und alles und alles, es sprudelt heraus.

Er wirkt zerbrechlich obwohl er sehr stark ist. Ich komme ausgerechnet am Geburtstag seiner Frau, keiner ist da. Aber es ist auch schon viertel vor sieben.

Er erzählt vom Tod, davon, dass er viel gearbeitet hat, davon, dass sie streiten konnten wie die Kesselflicker, davon dass er froh ist, dass er sich so gut beschäftigen kann, sein Sohn neben ihm wohnt.

Er sagt, dass es gut so war , dass sie keine Schmerzen mehr hatte.

Liebe ist im Raum. So viel davon, dass mein Herz schwer wird.

Automatisch greife ich mit der Hand unter mein Shirt , klopfe auf die Thymus Drüse, ich spüre warme Haut , meinen Atem. Mein Herz schlägt etwas schneller, da ist er doch: der Flashback.

Aber dann bekomme ich meine Kette in die Hand, ein Kleinod schmiegt sich an mich . Ich erinnere mich daran, dass ich lebe, dass ich Glück habe, dass ich geliebt habe wie verrückt, zwei Kindern ihren Weg bereite und dass Thomas mir jemanden geschickt hat der das alles in mir weckt.

Der Herr und ich sind uns einig:

Menschen sterben. es gehört zum Leben.

Es tut weh aber in der Traue selber kann man tatsächlich Trost finden.

Es wird ein Wiedersehen geben.

Für mich dauert es wahrscheinlich etwas länger als für ihn. Das weiß er und das weiß ich.

Aber was wenn die Zeit bis dahin gar nicht schwer wird?

Was wenn man jemanden gefunden hat der sie einem leicht macht?

Wir trennen uns lachend , weil wir beide unserer To dos im Garten aufzählen und so dankbar für diese Arbeiten sind.

Ich mag die Menschen

Photo by Marta Branco on Pexels.com

3 Antworten zu „Sterben ist ein Teil vom Leben”.

  1. Sehr schön! Lebendig! Leben und Tod…jung und alt……Leben halt.

    Like

  2. Der Blog hat eigenes Leben gewonnen. Will heißen, schön dass es nicht mehr so viel von dir zu lesen gibt – und doch toll wenn es so ist. Bist die Botin zwischen zwei Königreiche. Lg

    Like

Hinterlasse einen Kommentar