Alleine

Ich sitze alleine am 31.12. in der Küche.

Lesend am Tisch mit Kaffee.

Alles ist ruhig aber so richtig tritt keine Ruhe in mir auf.

Die Kinder sind krank.

So wie jeder zur Zeit.

Sie haben starken Husten.

So stark, dass ich mich immer wieder sorge.

Seit Tagen schlafe ich deshalb nicht gut.

Besonders in der Nacht höre ich beide.

Elias hat es heftiger als Luise.

Und ich warte in meinem Zimmer immer darauf, dass die Hustenattacke vorbei ist und ich sein erneutes Luft holen höre.

Er ist sonst fit, er ist stark, er ist klug , ein gesunder Körper mit einem gesunden Geist schafft einen Husten zu überleben.

Ich erwische mich, wie ich das immer denke.

Die ganze Nacht.

Ich stehe auf. Um eins, um drei und um fünf und schaue nach beiden.

Warte auf Atemzüge, schaue auf die Bettdecke.

Ich will sie nicht wecken.

Ich kann das nicht mehr: Krankheit, ich kann nicht mehr pflegen und meinen Geist stabil halten.

Es ist immer gleich als würde ich jemanden verlieren.

Mach ich alles richtig?

Was kann ich noch tun?

Was habe ich hier um Abhilfe zu leisten? Wie kann ich überhaupt helfen?

Und gleichzeitig bin ich erschöpft und genervt von Krankheit.

Egal, wie sie heißt.

Was würde ich bloß tun, wenn ich eins der Kinder verlieren würde? Um zwei ist die Nacht am dunkelsten und die Gedanken auch.

Am Morgen gehe ich wieder bei beiden schauen. Sie schlafen. Warm und rosig. Wie ich beim Neugeborenen immer in die Kurve schreibe.

Am Küchentisch versuche ich trotzdem jedes Knirschen des Holzhauses zu deuten: ach, sie drehen sich im Bett um. Wunderbar.

Ich sitze am Tisch, keine Lust aufzustehen.

Google Memories zeigt mir : heute vor drei Jahren.

Ein lustiges kleines Video.

Luise und Elias schmeißen kleine Luftschlangen auf Thomas. Er hatte gerade nach einem Autounfall die Schulter gebrochen. Der Anfang vom Ende.

Ich fühle es damals , wie heute .

Ich habe mich damals schon alleine gefühlt, alleine mit dieser Angst ihn zu verlieren.

Drei Jahre später fühle ich mich wieder alleine.

Alleine mit dieser Angst noch mehr zu verlieren.

Natürlich ist es Quatsch. Sie werden nicht an einer Erkältung sterben. Aber die Angst bleibt. Wahrscheinlich so lange wie ich alleine am Küchentisch sitze.

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