Tumult im Herzen

Am Wochenende war Weihnachtsmarkt in Much.

Ich darf helfen, ich freue mich sehr darüber.

Bei herrlich kaltem Wetter, strömen die Mucher auf den Hof der Burg .

Gut, bis dahin wusste ich nicht, dass die Landbevölkerung nicht nur gut im Bier trinken ist, sondern auch Glühwein hoch im Kurs steht.

Er ist wunderbar geschmückt und beleuchtet.

Ich bin aber zum arbeiten hier. Das ist gut, denn nichts hier erinnert an Thomas.

Die Kids verbringen Zeit mit den Schwiegereltern.

Mir begegnen viele Menschen an diesem Wochenende.

Von vielen weiß ich, sie leben getrennt, kenne einen kleinen Ausschnitt aus ihrer Geschichte.

Mich treffen diese Geschichten immer.

Natürlich weiß ich , dass nicht alle Beziehungen glücklich sind und natürlich stehe ich dazu , dass das Leben bitte glücklich gelebt werden soll und wenn man das nicht ist, empfinde ich es als mutig und richtig es zu ändern.

Trotzdem schmerzt es.

Es scheint in diesen Zeiten etwas besonderes zu sein einen Lieblingsmenschen zu finden.

Ich hatte ihn gefunden.

Es ist wie eine Ehre, dass mir dieses Glück zuteil wurde.

Aber dann dieses Unglück.

Dieses Unglück, was so schwer zu verändern ist.

Aber ja , es geht bergauf!

Ja, ich kann Spaß haben, Glück empfinden für all das was mich ebenfalls umgibt!

Aber dann ist da dieser Schatten. Diese Wolke die immer wieder vor die Sonne zieht, wenn man gerade die Wärme auf der Haut zu spüren beginnt.

Ich bekomme heute morgen ein Baby mit einer Dame, ebenfalls eine Ehre. Es ist ein glücklicher Augenblick und als ich die Dame zur Station bringe, begegnet mir ein Krankentransport mit einem schwer kranken, bereits intubierten älteren Herren.

Er tut mir leid – gleichermaßen denke ich: gut , dass wir nie diese Stunden am Ende im Krankenhaus erleben mussten.

Ich streife den Gedanken ab und fahre mit der frisch gebackenen Familie weiter nach oben. Dort angekommen schiebe ich die Dame Richtung Station.

Der Balkon des Krankenhauses vor mir ist einsehbar .

Bitterlich weinend , mit einem Taschentuch in der Hand telefoniert dort eine Dame.

Ich erkenne dieses Bild.

Es erinnert mich.

Erinnert mich.

Erinnert mich.

Weinend bei einer Operation, die länger dauert als erwartet, weinend im Park aus Angst vor der Zukunft, weinend auf dem Aldi Parkplatz weil ich nur da alleine war, weinend vor dem Krankenhaus. Weinend im Auto. Weinend im Wald. Das Telefon immer griffbereit oder am Ohr.

Das letzte Mal als ich vor dem Krankenhaus geweint habe, wusste ich , dass Thomas sterben wird. Zum ersten Mal kann ich kaum mit dem Arzt sprechen weil meine Gefühle nicht mehr aufhaltbar sind. Ab dann nur noch Tränen zu Hause.

Julia, das neue Leben schiebt sich nicht alleine ins Zimmer.

Noch so viel vor sich.

Hey Kleiner, ich wünsche Dir Glück und Rückenwind und die Ehre einen Lieblingsmenschen zu finden.

Du machst das schon.

2 Antworten zu „Tumult im Herzen”.

  1. Avatar von Sonja Maria Baumer
    Sonja Maria Baumer

    Du verstehst es so gut, deine Trauer in Worte zu fassen. Ich hoffe, dass viele Menschen deinen Blog lesen und verstehen, dass sie mit diesem Schmerz nicht alleine sind. Man muss da alleine mit fertig werden, die Menschen, die einen umgeben, Freunde, Familie, Kollegen sind da zur Unterstützung, aber nur du kannst deine Trauer so durchleben, weil du Thomas so sehr geliebt hast und nun sehr leidest.
    Ich hoffe für dich, dass du bald deinen Seelenfrieden finden wirst und es bergauf gehen wird. Das Leben geht weiter, schau nach vorne…Alles Gute für dich und deine Kinder…
    Lieben Gruß, Sonja

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    1. Danke, liebe Sonja. Ich wünsche dir von Herzen schöne Weihnacht

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