Ich liege im Bett und weiß, Tod ist für immer.
Also Thomas ist und bleibt weg.
Das wusste ich bereits.
Was ich bis dahin nicht wusste: wie es sich anfühlt.
Thomas ist und bleibt weg bedeutet auch: Julia ist alleine.
Etwas mehr als ein Jahr habe ich es geschafft.
Und jetzt dämmert mir, dass ich immer nur durchhalten wollte, es deswegen geschafft habe. Und ich stelle mir die Frage, bis wohin wollte ich denn durchhalten? Und wie lange? und wie lange kann ich überhaupt durchhalten?
Ich arbeite, ich sorge mich um Kinder und Hunde. Ich versuche das Haus und den Garten auf einem Standard zu halten und mein Konto ebenfalls.
Die Angst das nicht zu schaffen sitzt mir immer im Nacken.
Ich bekomme Witwenrente, die reicht nicht mal ganz den Kredit von Haus zu decken. Verdienen darf ich nicht so viel, das ist gedeckelt, weil die Witwenrente mir sonst gekürzt wird. Das zuviel gezahlte darf man übrigens zurück zahlen, sodass man besser immer was spart falls das Einkommen sich doch einmal al ändert. Aber sparen ist gar nicht so einfach. Aber ja , jemand meinte mal man spricht nicht über Geld. Bis heute weiß ich nicht warum man nicht über Geld redet…. Schließlich braucht und nutzt es ja jeder.
Ich will nicht klagen. Ich weiß, es gibt Menschen die viel mehr tragen müssen als ich und es gibt Menschen die schwächer sind als ich und trotzdem all das schaffen. Warum also nicht ich auch?
Ich will durchhalten trotz des Pensums, das manchmal so hoch ist, dass ich nicht weiß wie. Dazu die Traurigkeit und das Unverständnis wie uns das eigentlich passieren konnte.
Ich würde gerne nochmal studieren aber wann und wie?
Es ist nicht möglich zu lernen wenn man gar keine Zeit hat und dann spüre ich , dass dieser Umstand mich traurig macht.
Die Kids sind wundervoll und ich sollte die Zeit mit ihnen genießen. aber ich erwische mich ständig dabei zu hoffen, dass sie schnell groß werden, damit sie mit einem Fahrzeug irgendwie zum Training, zum Pferd, zu Freunden kommen. Dann bekomme ich jedoch Angst, dass ihnen etwas passieren könnte und dass ich dann weniger Zeit mit ihnen habe. Außerdem darf ich noch weniger verdienen wenn sie groß sind, was mir dann auch wieder Respekt macht. Aber Angst ist kein guter Ratgeber, das weiß selbst ich.
Mein Körper und Geist sind gestresst, ich weiß was Stress mit dem Körper macht und was der Verlust eines Ehepartner mit der Gesundheit macht, weiß ich auch.
Krank zu werden ist keine Option. Denkt nur mal an die Kinder….
Aber welche Stellschrauben soll ich drehen?
Was kann ich ändern?
Thomas fehlt mir als Partner, als Mensch, als Ratgeber….sein Gehalt fehlt aber auch und auch seine helfende Hände.
Mal eben die Französisch-Vokabeln übernehmen, mal eben eine Tour zum Pferd, mal eben die kleine Runde mit den Hunden gehen, mal eben etwas einkaufen, mal eben staubsaugen, mal eben eine Idee was gibt es heute zu Mittag. Welches Auto sollen wir wo kaufen?
Zum Glück habe ich Freunde, Schwiegereltern, Nachbarn und eine Schwester, die mir helfen. Und trotzdem ist es nicht leicht.
Aber vielleicht ist es auch nur die graue Jahreszeit und die Müdigkeit vom letzten Nachtdienst, die mir einen Schub von Verzweiflung bringt.
Morgen wird es wieder besser.
Morgen schaue ich dankbar zurück, lebe im Jetzt und denke wenig an die Zukunft. Sie ist ein unbeschriebenes Blatt und wenn die Zeit kommt male ich zusammen mit den Kindern das schönste Bild was wir drei malen können.


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