Und ein wunderbares Buch
Wir haben hier 10 Tage richtigen Sommer erlebt
Mit Strand, Sonne und Meer. Das hatte ich so nicht erwartet aber für den Winter Sonne tanken kann nicht schaden und das Leben fühlt sich einfach leichter an.
Neben der Freiheit einfach zu tun was ich möchte gehört zu Urlaub auch immer lesen. Und ein Buch ist häufig dabei was mich gedanklich mehr beschäftigt.
In diesem Fall Ewald Arenz‘ Der große Sommer.

Ein Buch so zart, so liebevoll und so voller Wehmut, dass es zu Tränen rührt und in mir eine Sehnsucht weckt, die kaum zu stillen ist .
Es geht um Jugend, Liebe, Familie, Lektionen die nur von Leben selber gegeben werden können und Freundschaft.
Ich denke an meine Jugend. Denke daran wie ich Thomas kennengelernt habe , wie verliebt wir waren. Unser erster Kuss.Wie jung wie waren. Thomas ‚ Leben hatte schon einen Schatten mit dem Krebs offenbart aber für mich kam es nicht in Frage dem Schatten einen Raum zu geben. Meine Mutter sagte mal zu mir, dass diese Krankheit auch eine Bürde werden könnte. Aber ich konnte meinen Gefühlssturm nicht stoppen. Nicht damals und auch später nie. Soll ich es bereuen? Mehr nachdenken, weniger fühlen? Nein, kann ich nicht . Ich hatte mit Thomas die schönste Zeit meines Lebens. Und das holt dieses Buch in mir hoch. Ich will zurück, so wie manch anderer seine Jugend zurück will so will ich zurück in ein Leben mit Thomas . Es war nicht leicht und doch fühlte es sich leicht an.Wir brauchten nie Schnickschnack im Leben, nie Luxus immer nur uns und etwas Sonnenschein. Und dann ging es weiter.
Und so lese ich das halbe Buch Tränen verschleiert immer mit den Gedanken in der Vergangenheit. Worte dafür finde ich nicht aber Ewald Arenz findet sie und jedes trifft genau in mein Herz.
Ich lese die letzten Sätze am Meer, die Füße im Wasser. Ich bleibe noch etwas sitzen und lasse den Horizont auf mich wirken.
Ich bin traurig. Traurig um alles was ich verloren habe.
Am nächsten Tag fahre ich mit Elias Fahrrad und weil ich nur eine kurze Hose dabei habe , weil ich das Wetter echt anders eingeschätzt habe, ziehe ich eine alte von mir an, die in Luises Besitz über gegangen ist. Ein Blue -Jeans.
Das erste Mal seit einem Jahr, dass ich eine blaue Jeans anziehe .
Und auf einmal liebe ich sie .
Alles kommt beim Radfahren noch einmal in mir hoch . Ich kann kaum aufhören sie anzuschauen.
Ich merke es ist an der Zeit dem Bunten wieder Platz zu geben, ich merke es ist an der Zeit , die Vergangenheit liebevoll zu integrieren. Jede Zeit zu umarmen. Man ist wie man ist, weil das Leben so viele Kapitel schreibt.
Ein Herr fragt mich, ob ich mit meiner Frau reise und ich lache und sage : nein. Mein Mann ist gestorben. Und weil ich nicht weiß ob ich es auf Französisch richtig gesagt habe, weil er so verdutzt schaut , sage ich etwas vorsichtiger auf französisch: er ist im Himmel.
Er schaut nicht gerade viel besser drein. Aber er hat es verstanden.
Er ist im Himmel.
Er ist im Himmel.
Er ist im Himmel.
Und wartet auf mich.
Aber bis dahin, trage ich BlueJeans und kaufe mir am anderen Tag einen pinken Pullover.


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