Heute ist Thomas ‚ Geburtstag.
Sein zweiter , den er nicht bei uns feiert und somit wir ohne ihn. Wie alle wissen, sind wir in Frankreich – der Ort der irgendwie ein Gefühl von Zuhause gibt. So sehen es die Kids jedenfalls und für mich ist es ähnlich.
Das Wetter ist heute bewölkt, etwas Wind kommt auf .
Eigentlich fühle ich mich heute morgen gut, doch plötzlich fließen Tränen.
Immer noch ist da diese große Ungläubigkeit.
Meine Freundin ist gekommen und ich bin darüber sehr froh. Und während sie Yoga macht, Luise Fußball spielt und Elias einfach „chillt“ , gehe ich ans Meer.
Ich mach auch ein paar Übungen im Sand.
Der Strand ist leer, kein Mensch weit und breit.

Das Meer lockt mich , es scheint nur für mich da zu sein. Thomas und ich haben das Meer immer geliebt. Es ist diese Unendlichkeit, dieses alte Element was alles überdauert bis jetzt. Tiefe die unvorstellbar ist, Kreaturen die unseren Augen bis jetzt verborgen blieben und ein geduldiges Wissen.
Luise hat Elias vor einiger Zeit ein Bild gemalt mit Sonnenuntergang und Meer. Sie hat darauf eine Art Kalenderspruch geschrieben der so oder so ähnlich lautet: das Glück ist wie die Wellen . Sie gehen, sie kommen.
Fühlt sich so an. Zumindest am Mittelmeer. Der Atlantik sagt es vielleicht mit mehr Ausdruck.
Ich ziehe mich aus und gehe nackt baden.
Das Wasser umspült mich. Ohne Stoff ist meine Haut die einzige Verbindung nach außen.
Ich spüre das große Ganze, die Weite.
Alle wissen ja, wie sehr ich auch den Wald liebe mit seiner Erhabenheit über die Dinge.
Hier ist es aber ein echtes Eintauchen, eine Befreiung, ich bin so klein in Anbetracht der Größe des Meeres, des Himmels , der Erde.
Auf einmal nimmt mir das meine Verantwortung.
Ich fühle mich frei, schwerelos.
Nackt wie ich geboren bin, nackt wie Thomas gestorben ist. Geborgen im großen Ganzen. Liebevoll empfangen von soviel MEHR. Ich würde gerne weinen aber beim Schwimmen ist das schwer. Also wird das vertagt und ich lege einen Zahn zu. Immer weiter, immer schneller bis ich nicht mehr kann.
Ich drehe mich auf den Rücken, schaue die Wolken an , siehe wie die Sonne durchbricht.

Hoffnung, Liebe, Zuversicht.
Thomas geht es gut, warum sollte es uns nicht auch gut gehen?
Ich sehe Spaziergänger am Horizont und da ich sie nicht verschrecken will , gehe ich raus und wickel mich in mein Handtuch. Der Wind hat zugelegt, er trocknet mich. Jetzt dürfen doch Tränen fließen. Aber als auch diese trocken sind gehe ich beschwingt zum Bungalow.
Vertrauen in das Große macht sich wieder breit. Ein passender Begleiter für den Weg und ein gutes Gefühl .


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