klingelt es an der Kreißsaaltüre.
Ein Herr steht davor. Er ist mittleren Alters, hat etwas wirre Haare und unruhige Augen.
Das Sprechen scheint ihm schwer zu fallen:
„Ich weiß, dass ich hier nicht richtig bin. Ich muss zu der Intensivstation. Ich kann sie nicht finden“
„Oh, das tut mir sehr leid, der Gang zur Intensivstation ist häufig gesäumt mit Sorgen“
Er nickt.
Ich beschreibe den Weg.
Er wiederholt meine Worte, dreht sich um und geht.
Sein Rücken schreit nach Hilfe.
„Soll ich sie begleiten?“
Der Herr dreht sich um und fängt bitterlich an zu weinen. „Ja , bitte. Mein Vater liegt im Sterben. Was soll ich nur machen? Was soll ich sagen? Ich bin ganz alleine…“
Ich lege den Arm um seine Schultern und wir gehen gemeinsam.
Ein Meer von Erinnerungen schwappt in mir hoch. Diese Angst. Diese Verzweiflung. Ich fühle sie . Und er fühlt, dass ich sie fühle.
Vor der Türe angekommen fragt er wie ich heiße.
„Julia, und du?“
Ich weiß es bevor er es ausspricht: Thomas.
Puh, mein Herz….
Die ganze Nacht denke ich an ihn und auch jetzt ist er in meinen Gedanken.
Was für ein Irrsinn.
Diesen besonders schmerzhaften Weg zusammen zu betreten und doch welche Ehre ihn miteinander gehen zu dürfen.
Für mich der größte Schmerz und die dankbarste Erfahrung zugleich.
Die Ambivalenz von Leben und Tod
die anscheinend zusammen gehört wie:
Tag und Nacht
Licht und Schatten
Schwarz und weiß
Thomas und Julia


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