Mal wieder ein Nachdenk Tag.
Und ihr bekommt das Ergebnis.
Luise geht es nicht gut.
Schon eine längere Zeit nicht.
Auch die Lehrerinnen haben mich darauf angesprochen. Sie bekommt in der Schule Traurigkeitsanfälle und muss die Stunden verlassen.
Sie war verliebt und so glücklich, mein Herz war nicht mehr so schwer.
Aber natürlich ist sie erst 14 und die Dauer der Hormondusche war kurz. und jetzt ist sie wieder ein kleiner Trauerkloß. Ich kann das verstehen , ich kann ihr nicht helfen. Ich kann die Umstände kaum verändern. Aber ich versuche für sie da zu sein, mit ihr in Kontakt zu bleiben .
Mein Mutterherz schmerzt sie so zu sehen. Jemand sagt zu mir, der als Kind auch seinen Vater verloren hat, ich soll die beiden nicht mit meiner Trauer belasten. das wird ihnen noch mehr weh tun.
Ich muss jetzt erstmal was renovieren und glücklicherweise hab ich die Zeit dazu.
Während ich streiche, fange ich an mir über alles Gedanken zu machen und dabei fällt mir auf, dass meine Theorie , dass ich mich ablenke mit meinen (zugegeben eher beschränkten) handwerklichen Fähigkeiten, gar nicht immer stimmt. Eigentlich ist das Gegenteil der Fall. Ich weiß nicht was ich in einer Situation machen soll und beschäftige ab dann meine Hände. Aber vielmehr hat mein Geist Zeit dabei Runden zu drehen. Manchmal nur über die Farbwahl aber oft über einfach alles.
Wie immer höre ich Musik und wie sooft die Smashing Pumpkins. Immer Siamese Dream.
Ich kann die Platte auswendig. Sie ist unendlich traurig und gleichzeitig so kraftvoll.
Heute trifft sie viele meiner Gedanken, bei dem Lied Today überlege ich lange welcher Tag wohl mein schönster Tag im Leben war!
Unmöglich ihn zu benennen aber der Gedanke treibt mich , peitscht mich richtig voran! Julia, du musst einen schönsten Tsg haben!
Hochzeit kommt nicht in Frage, viel zu viele Konflikte um diesen Tag, beide Geburten- auf jeden Fall hoch im Kurs. Aber auch sehr anstrengend.
Ich glaub diese so besonderen Tage waren es gar nicht. Es waren die kleinen Tage dazwischen, Thomas und ich hier im Garten bei Sonne, beide eine Weißeinschorle mit Eis mitten am Tag , die Kids lachen und machen Tricks im Pool.
Thomas und ich sind uns nah. Lachen, hören Musik ,seine Hand auf meinem Bauch meine auf seinem Oberschenkel. Gesunde Kinder . Sonne, etwas angetrunken, eine rosarote Brille. seufz, so Tage können für immer bleiben.
Es gab wenige von diesen Tagen wo niemand etwas machen musste, ich nicht arbeiten war, Thomas ok war, all seine Sorgen auch klein waren und so meine auch. Aber genau diese Tage waren so besonders für mich, dass ich sehr traurig werde. Ich denke über den Satz des Herren nach: belaste ich jemanden mit meiner Trauer? mein Kinder? meine Freunde ? meine Familie?
Ich gehe tiefer in mich. Nein , ich glaube nicht, auch nicht meine Kinder. Wenn eines weint , dann nehme ich es in den Arm und höre das Schluchzen, fühle den Schmerz , sage : ja es tut weh, lass es raus! Während meine Tränen leise ins Haar des jeweiligen Kind tropfen. Ich schreibe diesen Blog unter anderem deshalb, weil es die einzige Art ist meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen und ich hoffe ihr fühlt euch nicht zu sehr belastet aber der Blog ist ja freiwillig und geduldig.
Ich denke es gibt zwei Menschen die sehr wohl etwas belastet durch mich sein können. Die eine die ich immer rufe wenn ich Hilfe brauche und die andere die meine Tränen in einer Sprachnachricht wahrnimmt.
Und ehrlich auch mich belastet niemand mit seiner Trauer. Thomas Eltern, die es so schwer haben ihren Sohn verloren zu haben, schenken mir oft noch Kraft, indem sie mir helfen und sich gemeinsam mit mir an Thomas erinnern, Thomas‘ Schwester gibt mir ein großes Gefühl von Gemeinsamkeit , Aufmerksamkeit und Liebe. Meine Freunde helfen mir wo sie können -auch noch nach einem Jahr ohne Thomas.
Mein Gedanken drehen sich wieder um Luise: was ist wenn sie jetzt immer auf der Suche nach einem Vaterersatz in ihrer jugendlichen Liebe ist? Sie braucht jemanden der sie festhalten kann. Damit überfordert sie natürlich jeden 15 jährigen…Wie stell ich das nur an wenn ich anscheinend nicht die richtige bin?
Oh ich merke mein Gedankenkarussell dreht sich zu ausladend und weit in die Zukunft. Ich stelle die Musikbox so laut wie ich kann. Das habe ich schon immer so gemacht. Der Trick: die Lautstärke dominiert meine Gedanken.
Und in diesem Fall werde ich jetzt eben Gitarrist, Drummer und Sänger auf einmal.
Aber für weniger Gefühlschaos, hätte ich vielleicht ne andere Platte wählen sollen.
So endet es wie es immer endet. Sehr Gefühlvoll. Weinend , verzweifelnd, alles raus lassen. Egal, wer ich gerade bin , es sieht ja keiner und es muss keiner reagieren. Geht gut mit dem „Last kiss good night“ von den Pumpkins.
Danach geht es mir besser. Und ich melde mich bei einem Lehrer von mir der vielleicht Luise besser helfen kann als ich! Immerhin schon eine Idee bekommen!Und auch noch in die Tat umgesetzt. Außerdem einen Termin für den TÜV gemacht, Überweisungen getätigt , mich um ein Formular gekümmert, gekocht und natürlich gestrichen. Und nachgedacht.
Ich behalte diesen Augenblick am Pool mal besser für immer im Herzen.
I’ll tear my heart out


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