ja, wie war denn jetzt eigentlich der Tag?
Dieses Jahr ein Donnerstag , letztes Jahr ein Mittwoch?
Um ehrlich zu sein, ich habe mich abgelenkt.
Ich habe im Garten eine Arbeit verrichtet, die so anstrengend war, dass ich nachmittags zu müde war, um nachzudenken.
Thomas Eltern waren da , seine Schwester. Meine Schwester und meine Freundin und meine Eltern.
Luise hat eine Torte für Thomas gebacken, nach dem gleichen Rezept wie auf Thomasˋ Trauerfeier. Eine bunte Torte, so bunt wie Thomas war.

Der Tag ist vorbei und ich bin froh.
Aber jetzt kommen alle Erinnerungen, wie es danach war. Gespräche mit allen möglichen Menschen, Trauerfeier, Bestatter, Rente, Zettel sortieren……
Vorgestern bin ich im Bad und höre Luise und Liesa singen:

I got that summertime , summertime sadness
su-su-summertime , summertime sadness
got that summertime, summertime sadness
oh oh-oh-oh-oh
kiss me hard before you go
summertime sadness
i just wanted you to know
that baby, you the best
musicmatch / Lana Del Rey
Jetzt kommen mir im Bad doch die Tränen.
Ja, summertime sadness wird wahrscheinlich jetzt immer dazu gehören, und dabei meine ich nicht, dass ich traurig bin, dass der Sommer endet.
Gleichzeitig sendet mir google eine Nachricht:
„Den Moment noch mal erleben“ und zeigt mir Fotos , wie ich Thomss Hand das letzte mal halte als er noch lebt und eins als sein Geist den Körper schon verlassen hat.

Am Samstag fragt mich jemand auf einer Fortbildung: wenn das Dings was hier steht eine Zeitmaschine wäre, würdest du sie benutzen?
Jaaaaaaaaaaaa, für diesen Tag Händchen zu halten, liebevolle Sätze zu sagen, zu küssen, zu lieben.
Oder noch weiter zurück reisen um sein Leben vielleicht zu retten.
Den Tumor früher zu erkennen . Wer weiß, was dann jetzt wäre.
Heute im Nachtdienst bekommt eine Frau bei mir ein Baby.
Sie schreit ihrem Schmerz heraus, stöhnt und tönt. Ich bin fast neidisch, weil mein Schmerz häufig so leise ist.
Es wirkt sehr befreiend. Ich ermuntere sie weiter zu machen, allen Gefühlen freien Lauf zu lassen und in der nächsten Wehe mutig zu sein, zu drücken, zu schreien und das Baby zu gebären.
Als alle drei glücklich zusammen kuscheln , sagt der Vater , dass sein Sohn wahrscheinlich lieber „drinnen“ geblieben wäre.
Ich sage daraufhin , dass es für das Baby bestimmt anstrengend war und spannend. Wahrscheinlich musste es auch sehr mutig sein den Weg zu gehen . Es wusste ja nicht was auf es zu kommt. Hat es sich gelohnt die Gebärmutter zu verlassen?
Auf jeden Fall, denn jetzt ist es in liebevollen Armen geborgen.
Vielleicht ist es ähnlich mit dem Sterben?
Man verlässt diese Welt, mit Angst davor, was kommen mag.
Aber was ist, wenn einen liebevolle Arme erwarten?
Vielleicht lohnt es sich auch hier den Schritt zu wagen, den Mut zusammenzunehmen!
Thomas Lächeln weißt sehr darauf hin.


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