Ein guter Freund erzählte mir einmal,dass in Nepal der erste Todestag als Fest gefeiert wird. An diesen Tag soll die Trauer der Vergangenheit angehören und es soll nur noch liebevoll an den Verstorbenen gedacht werden .
In meiner Vorstellung hörte sich das eigentlich ganz vernünftig an und ich habe mir vorgenommen das so zu handhaben.
Wie naiv von mir
Ich weiß gar nicht wie das gehen soll. Der Tag rückt näher und das Wetter spielt mir gar nicht in die Karten. Der Dauerregen macht es mir schwer die Stimmung aufrecht zu halten. Ohne Ablenkung fühle ich mich wieder mal wie Frodo .
Dunkelheit, Nebel, Tod.
Jeden Tag kommt jetzt eine traurige Erinnerung hoch. Saison Eröffnung beim Fußball: letztes Jahr stand eine Spendendose dort für Thomas. Erstes Spiel in der Saison: Thomas ist mit einem Stuhl im Gepäck mitgekommen. Danach sagte mir jemand, dass er noch nie so einen kranken Menschen gesehen hätte. Verrückt. So habe ich das nie gesehen.
Der ganze Regen bei der Trauerfeier.
Dann steht ein Stuhl in Badezimmer. Elias hat sich dorthin gerollt. Mich erinnert es daran, dass Thomas am Ende beim Zähne putzen sitzen musste.
Eine Rechnung kommt für Thomas, die an seine Behandlung erinnert.
Ich will die Sonne reinlassen. Aber wo ist sie?
Was mir hilft ist der Gedanke, dass der letzte Sommer heiß war. Thomas und ich viel Zeit draußen verbracht haben. Dass er wenig Klamotten anziehen musste, seine Füße waren ja so schon immer kalt.
Dass er nachts nicht gefroren hat wenn wir aufstehen mussten , er Eiskaffee genießen konnte.
Heute ist Sonntag, ein Tag der sowieso schwer ist aber mit dem Regen nicht zum aushalten. Aber letztes Jahr mit diesem Wetter ist gar nicht vorstellbar !
Mein Vordach ist mittlerweile nicht mehr dicht. Irgendwo tropft es. Natürlich auf irgendwelche Polster die ich in Sicherheit wägte.
Ich fange an etwas umzubauen, etwas zu streichen.
Sonst kann ich den Tag nicht meistern.
Die Kids packen die Schulsachen und wollen chillen- klar letzter Ferientag.
Der Druck auf meiner Brust wird größer aber irgendwie wollen keine Tränen fließen.
Erst beim Wäsche falten und einem Lied was Thomas und ich immer gemocht haben, kann ich anfangen zu schluchzen . Und mich dem Gefühl hingeben. Danach habe ich pochende Kopfweh.
Trauer ist schwer, schwer auszuhalten und dauert lang, aktuell habe ich das Gefühl sie potenziert sich , wie ein Drama in 1000 Akten . Der Regen trommelt dabei dem Höhepunkt entgegen, der Wind lässt einen nicht zur Ruhe kommen und die Sonne spart sich wahrscheinlich ihre Anwesenheit für den Tag auf als meine gefühlt untergegangen ist.
Immerhin hält sich einer wacker und scheint gar nicht so übler Laune. Er erinnert mich an den Sinn meines Nachnamens.
„Krieger – wie der tapfere “ pflege ich am Telefon immer zu sagen , wenn noch einmal nach meinem Namen gefragt wird.

Thomas meinte vor langer Zeit einmal, dass er besser meinen Namen angenommen hätte, ich glaube das habe ich schon mal erwähnt. Finde ich nicht. Er war tapfer wie ein Krieger und mutig wie ein Löwe und hatte am Ende die Einsicht wie ein weiser Lehrer der einem auf jede Frage eine Antwort gibt mit der man gut weiter arbeiten kann.
Morgen vor einem Jahr:

aber die Erinnerung so nah:
Er ist an diesem Tag nicht aufgestanden weil er sich im Bett gut gefühlt hat. Und ich habe ihn ermuntert liegen zu bleiben und habe ihm einen Kaffee ans Bett gebracht. Es war einer der wenigen Augenblicke wo ich einfach alles stehen und liegen gelassen habe und mich zu ihm gekuschelt habe.
Das Jahr ging schnell vorbei und gleichzeitig ist die Zeit stehen geblieben . Eine Ambivalenz die schwer auszuhalten ist.
Und so bin ich immer noch selber zerrissen was wir am 24. 8. machen sollen :
kleinster Kreis mit der Familie oder Grillen mit all denen die Thomas gemocht haben und gerne auf ihn einen Toast aussprechen möchten….

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