Wie sooft schreibe ich nach einem nicht alltäglichen Tag. Meine Gefühle sind an diesen Tagen intensiver , mein Geist nicht so automatisiert wie an den Tagen wo arbeiten, Kinder, Haushalt , Hunde ansteht.
Wir nutzen den letzten Sonntag der Ferien um ins Phantasialand zu fahren. Die Kids lieben es einfach und seit letztem Jahr in den Sonmerferien freuen sie sich noch einmal hin zu fahren. Es ist mega kostenintensiv für einen Tag aber wir waren zwar in Reha, die glich aber nicht einem Urlaub und so ist es dieses Jahr vielleicht ein Tag Urlaub mit allem ZIP und ZAP.
Es kostet mich aber nicht nur Geld.
Es kostet mich auch Überwindung.
Letztes Jahr Anfang der Sonmerferien war klar wir machen keinen Urlaub. Thomas geht es nicht gut. Ich verspreche den Kindern ins Phantasialand zu fahren.
Der Tag ist eigentlich schon ausgesucht da bekommt Thomas die Diagnose: Gehirnmetastasen.
Ich fühle was es bedeutet. Ich weiß den Tag noch genau. Ich bin bei der Diagnose nicht bei ihm. Ich bin bei den Kindern Zuhause. Bis heute fühle ich mich deswegen schlecht.
Zum Glück ist seine Mutter bei ihm.
Zuhause ist es warm, ein heißer Sommer. Ich weine. Ich fühle mich gelähmt. Ich weiß nicht was ich machen soll.
Meine Schwester ist da, sie wollte am nächsten Tag mit ins Phantasialand.
Ich kann es nicht. Unmöglich der Gedanke an Spaß.
Ich sage es den Kindern. Sie verstehen es. Aber ich sehe die Enttäuschung.
Wir fahren ins Jumphouse und danach zu Thomas. Ok?
Gelähmt ins Jumphouse.
Schwierig.
Als die Situation sich einige Zeit später stabilisiert, Thomas zur Bestrahlung geht, bittet er uns, dass wir uns Phantasialand fahren.
Er will auch, dass die Kinder Spaß haben.
Meine Schwester kommt mit.
Er bleibt hier mit seiner Schwester und seinen Eltern. Wir können beruhigt los.
Er sagte oft zu mir, wie er sich irgendwann mal freut in diesen Freizeitpark zu fahren und die Kinderaugen leuchten sieht.
Es ist traurig , dass wir es irgendwie nie zusammen hingeschafft haben, dass er das nicht sehen konnte.
Der Tag im Park vor einem Jahr wird schwer.
Ständig frage ich mich was ich eigentlich hier mache….
Ich bin froh , dass Liesa da ist. Sie hält die Stimmung aufrecht, was bestimmt auch nicht einfach für sie war.
Sie fährt mit Luise wilde Karussells die ich mir nicht zutraue und ich nehme mit Elias die leichtere Kost.

Zuhause weiß ich es noch wie gestern, wie alle im Garten sitzen und gespannt auf unsere Erzählungen warten. Thomas etwas müde.
Aber er freut sich über die vier strahlenden Augen.
Gestern geht es erneut los Mit einem Freund von Elias, meiner Schwester und meiner treuen Freundin.
Es war eine wunderbare Konstellation. Und es erinnert mich an die Zeit nach Thomas Tod, als wir drei auch viel Zeit hier verbracht haben.
Im Phantasialand war es wundervoll. mit allen Gefühlen die es so gibt.
Verrückt.
Aber ja. Ich habe so oft an Thomas gedacht. Ich habe mich an letztes Jahr erinnert. An dieses Gefühl von Angst und Lähmung. Ein Gefühl dass Thomas und ich geteilt haben.
Der Tod hat uns beide davon befreit .
Thomas brauchte mich so dringend während der Krankheit, seit Jahren, dass ich die Kids oft bei seinen Eltern ließ um bei ihm zu sein.
Es gab keinen Kompromiss für ihn. Und ich habe die Zeit bei ihm immer genossen.
Einen Monat bevor er stirbt wir meine Nichte geboren und er will nicht , dass ich hinfahre. Es tut mir weh. Alles.
Aber dann macht er sich auf einmal frei.
Auch irgendwie von mir. Er genießt die Zeit mit seinen Eltern, seiner Schwester und natürlich auch mit mir und den Kindern aber irgendwie zeigt er auf einmal mehr Verständnis, dass die Kids und ich zusammen etwas ohne ihn machen.
Er will dass es uns gut geht.
Auch jetzt wenn ich daran denke , ist es so schwer. Diese letzte Zeit mit ihm. Ich kann es immer noch nicht aushalten darüber nachzudenken.
Gestern der Tag haut rein.
In eine Kiste von Emotionen.
Der Tag seinen Abschieds rückt näher, meine Gefühlskarussell dreht sich schneller.

Aber eigentlich will ich nur beschreiben, dass die Gefühle sich ändern. Gestern war auch eine große Dankbarkeit da. Für meine Schwester, für meine Freundin. Und auch dafür ein Jahr überlebt zu haben. Dankbarkeit für Ausgelassenheit, nicht darüber nachdenken wie es Thomas Zuhause geht. Mir die Frage nicht zu stellen : Ist es falsch oder richtig schöne Zeit mit den Kindern ohne ihn zu zu verbringen?
Ist es das vielleicht die letzte Zeit unseres gemeinsamen Leben und wir sind nicht bei ihm?
Meine schweren Beine zu bewegen, mein müdes Herz weiter schlagen zu lassen….
Das ist leichter geworden. Gestern hab ich es deutlich wahrgenommen.
Dass der Tod diese Sorgen genommen hat darüber kann ich nicht nachdenken. Das Gefühl ist immer noch zu groß . Aber ich kann die Zeit mit den Kinder genießen. Ich glaube, bald fahren sie alleine ohne mich und nur mit ihren Freunden. Elias ist richtig mutig geworden und fährt mit seinem Kumpel alles was sich schnell bewegt und Luise ist steil auf dem Weg in ihr eigenes Leben.
Ich genieße die Fahrt in einer neuen Achterbahn mit ihr Händchen haltend . Herzklopfen. Mit meiner anderen großen Liebe.
Ich schreie alle Gefühle raus. Angst ist das allererste. Angst vor der Angst. Angst vor dem Fall. Wackelige Knie. Und dann wieder Lachen mit dieser verrückten kleinen Familie.
Thomas hätte es geliebt so wie ich.



Hinterlasse einen Kommentar