Und? Hat euch die Reha was gebracht?
Viele stellen mir diese Frage.
Schwer zu sagen, Thomas ist nicht da als wir zurück kommen….
Aber ja, die Reha hat etwas gebracht:
Super viel Sport, einige gute Therapiestunden alleine und in der Gruppe, ein großes Vermissen gegenüber denen mit denen ich wertvolle Zeit verbracht habe und dass ich verlernt habe zu kochen.
Deshalb waren Elias und ich in Siegburg und haben dort gegessen.
Elias hat sich mega gefreut, er war richtig gut drauf.
Nach dem Essen meint er :“Mama, meinst du das Brauhaus gibt es auch noch wenn ich erwachsen bin?“
„Ich denke schon aber wahrscheinlich lebst du dann in einer anderen Stadt, in Berlin vielleicht?“
„Ne, Mama Berlin ist schön aber Köln ist besser . oder Siegburg oder Much. Niederbonrath 7 vielleicht“ . Er grinst etwas verschmizt.
„Wäre doch schön, oder Mama, dann wärst du nicht so alleine.“
Ein liebevoller Gedanke, so soll er natürlich gar nicht denken. Trotzdem rührt es mich.
Es bringt mich zum Nachdenken.
Fühle ich mich alleine?
Ja, es gibt Momente da fühle ich mich einsam.
Auf der Suche nach dem Herz was mit meinem im Einklang geschlagen hat .
Aber gerade fühle ich mich irgendwie seltsam.
Wie als hätte ich zuviele Gefühle gefühlt und jetzt sind sie erstmal aufgebraucht. In der Reha haben wir alle unsere Gefühle so selbstverständlich geteilt, so viel darüber gesprochen. Es war ein besonderer Raum dafür, den der Alltag nicht so hergeben kann. Dieser besondere Raum fehlt mir. Und ich fühle mich ausgepowert. Gefühlsausgepowert.
Wie ein leeres Gefäß das ich langsam wieder neu befüllen muss. Wenn ich Thomas‘ Bild anschaue, fühle ich aktuell nur Liebe.
Liebevolle Fürsorge über den Tod hinaus.
Das hört einfach nicht auf.
Ich lese ein schönes Buch:
Wenn aus deiner Trauer Liebe wird.
Der Autor, Roland Kachler, schreibt dort:
„Die Liebe -nicht der Abschied – führt durch den Trauerprozess
[…] Diese Trauerarbeit ist Hebammenarbeit für die Liebe. Sie verhilft der Liebe im Verlust zur Geburt.“
Wie praktisch, dass ich Hebamme bin.
Also, ich habe das Buch noch nicht zuende gelesen aber den Teil kann ich schon mal.
Ich habe Thomas immer geliebt und auch jetzt höre ich damit nicht auf. Ganz im Gegenteil.
Immerzu denke ich an ihn, erzähle von ihm. Lache über viele Dinge und frage mich was er wohl davon hält, dass ich einfach mit Elias Essen fahre und 36 € dort auf den Tisch lege obwohl ich Zuhause für 10 locker was Leckeres kochen kann.
Auch jetzt in diesem Moment kann ich es immer noch nicht glauben, dass er nie wieder körperlich präsent sein soll.
Mein Mann!!!! Mein Seelenmensch, mein Vertrauter, mein Berater, mein Schatz den ich in Köln gefunden habe.
Aber das bleibt er auch, für immer.
Mein Schatz, den ich gefunden habe.
Den ich gehütet habe , den ich beschützt habe und für den ich mitgekämpft habe.
Ich kann damit nicht aufhören.
Es ist, als ob dadurch die Entfernung die der Tod gebracht hat etwas überbrückt werden kann.

Ja, eine Brücke zu ihm. „Wie geht es dir mein Schatz? Du fehlst mir.“ Ich kann die Antwort spüren:
„Danke, mein Engel. Heute geht es mir sehr gut. Du machst das schon. Ich glaub an dich.“
Ich werde mein Gefäß weiter mit Liebe füllen.
Ich glaube, das ist ein gutes Gefühl für alle Lebenslagen.
Elias und ich gehen zum Auto, ich mache zwei dämliche Witze , er lacht überraschend laut…
„Mama, du bist irre!“
Ja, stimmt, mein kleiner Engel, der Thomas immer ähnlicher wird. Ich glaube, auch verrückt sein hilft Brücken zu bauen. Lachen , Liebe und hin und wieder ein gutes Essen ist das beste Baumaterial für meine persönliche Brücke in das Reich in dem Thomas Heilung gefunden hat.


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