Heute weiß ich irgendwie gar nicht so richtig wo ich anfangen soll…. Trotzdem möchte ich etwas teilen.
Es gibt hier eine Dame die mit in meiner Gruppe ist. Grit.
Sie ist Palliativ Schwester im ambulanten Bereich, macht ihre Sache mit Herzblut, ist wie alle im sozialem Bereich solange ausgenutzt worden, dass sie hier gelandet ist und diesen Job nicht mehr machen kann.
Als sie erzählt, dass sie diesen Job macht, fühle ich mich gleich zurückversetzt in die Zeit als der Pallidienst zu uns kam. Und wie sehr ich mir am Ende jemanden wie „Hi, ick bin die Jgrit“ gewünscht hätte.
Einen Profi mit einem Herz aus Gold , der mit uns weint und einfach da ist.
Bei einem spontanen Spaziergang im Wald sage ich ihr das. Erzähle vom traurigen Ende unser Liebesgeschichte auf dieser Erde und der Schmerz überkommt mich. Obwohl ich Grit nicht belasten möchte muss ich weinen. Und dann sagt sie diesen Satz:
„Ey Julia, ick hab immer jesagt, det is der jrößte Liebesbeweis den de machen kannst. Det wünsch ich mir uch mal.“
Da musste ich natürlich noch mehr weinen.
Alles kommt wieder hoch in dem Moment und der Schmerz ist nicht zum Aushalten.
Der letzte Atemzug….unvergessen wie der erste unserer Kinder.

Heute ist Samstag und wir drei schauen uns wieder ein besonders Stück Geschichte an.
Die Beelitz Heilstätten.
Auf dem Rückweg laufen wir ne lange Strecke zum Auto und da Luise sich auf den Weg erwachsen zu werden gemacht hat , kommt es zu einer Diskussion ob man ins Fitnessstudio geht um seinen Körper anderen zu präsentieren oder für eigene Interessen, Gesundheit z.b.
Dabei kommen wir auf Liebe zu sprechen, was man liebt an einem anderen , warum man das liebt , was Liebe vielleicht auch noch ausmachen kann….
Ich merke, dass es für sie nicht einfach ist. Zwischen social Media und eigenen Wünschen irgendwie gefangen. Sie versteht was ich sage aber sie will eben ihre eigene Meinung bilden.
Und wie jede Mutter werde ich als Moralapostel abgestempelt obwohl das eigentlich gar nicht meine Absicht war.
Mama, Papa hat dich zuerst auch sitzen gelassen weil er dich nicht soooo toll fand….stimmt.
Aber dann hat er etwas in mir gesehen, was weiß ich gar nicht so genau, aber er hat etwas in mir gesehen was mich auf einmal zu seinem Lieblingsmenschen gemacht hat .
Das war nicht mein Body, das waren nicht meine Klamotten, das war nicht weil ich so ein tolles Foto von mir geschickt habe. Das war ein Zauber der geweckt wurde, zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
Ich muss mich zusammen reißen jetzt nicht mit zittriger Stimme weiter zu sprechen.
Er hat mich geliebt wenn ich dicker war als sonst, wenn ich launischer war als sonst, wenn ich müde war,wenn ich ungeduscht war,wenn ich aufs Kopfkissen gesabbert habe, wenn ich gepupst habe , wenn ich die älteste Unterwäsche der Welt getragen habe.
Aber dieses Etwas zu zeigen, dass es jemand sehen kann für den es bestimmt ist, dafür muss man sich selber mögen.
Deshalb ist es wichtig sich immer zu fragen für wen ich eigentlich etwas mache und sich auch mit seinen Schattenseiten umarmen zu können.
Grit’s Satz ist auf einmal in meinem Kopf.
Jetzt kullern doch einige stille Tränen aus meinen Augen.
Bis der Tod uns scheidet. Ich lass dich nicht alleine, niemals.
Versprochen ist versprochen.
Und ich denke daran wieviel Luise noch vor sich hat, wieviel sie noch lernen wird über die Liebe. Es macht mich traurig, dass sie schon so früh lernen muss wie sehr Liebe schmerzen kann. Wie schwer Abschied ist und ich hoffe auf einmal , dass es sie nicht abschreckt , dass meine Liebe so weh tut.
Und so fange ich an, schöne Erinnerungen zu teilen mit ihrem Vater und ihr zu zeigen wie sehr sich der Weg lohnt.


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