Reha und Wünsche

Wir sind in Reha gefahren.

War es die beste Idee die ich haben konnte?

Keine Ahnung. Ständig fragt hier jemand nach meinen Therapie Zielen und Wünschen.

Irgendwie finde ich darauf nie eine passende Antwort. So gesehen schaffen wir ja das Leben, klar mit Höhen und Tiefen aber es geht weiter. So erstaunlich und grausam das klingen mag.

Manchmal würde ich am liebsten antworten: „Clean werden.“ Das scheint mir die einfachere Antwort.

Aber ich sage die Wahrheit: eigentlich machen wir das hier präventiv. Ich weiß, dass dafür eine Reha eigentlich nicht da ist aber ich habe einfach Angst, dass die Kinder die Tatsache ihren Vater verloren zu haben nie aufarbeiten. Von Verarbeitung rede ich nicht, denn das ist meiner Meinung nach nicht möglich.

Trotzdem habe ich Angst, dass sie, wenn sie jugendlich sind und auf dem ein oder anderern Dorffest der Erfahrung der Trunkenheit begegnen , vielleicht einen Flashback bekommen und dann vor einem großen Problem stehen.

Oder wenn sie selber irgendwann eine Familie gründen oder sich verlieben oder einfach Momente kommen in denen der Vater besonders fehlt.

Ich möchte einfach die Chance nicht versäumen, dass professionelle Menschen mit ihnen arbeiten und sie vielleicht mit mehr Wissen solchen Begegnungen in der Zukunft besser standhalten können. Natürlich ist das keine Garantie aber eben ein Versuch alles richtig zu machen.

Beide haben zu Beginn ein Tief und weinen. Die Anspannung ist hoch und ich glaube sie realisieren auf einmal warum wir eigentlich hier sind und wer hier schmerzhaft fehlt. Sie sind so stark gewesen die ganze Zeit und dann fällt auf einmal vieles ab .

Fünf Wochen wollen sie trotzdem eigentlich nicht bleiben. Aber wir warten ab und geben dem Ganzen eine Chance. Optimal läuft es nicht für uns aber das sind wir ja eigentlich gewohnt.

Ich werde mit Elias zum Tischtennis Profi und versuche Luises und meine freie Zeit zu koppeln damit wir viel Mutter-Kind Momente erleben können.

Auch sonst gibt es viel Zeit für sich aber natürlich auch Therapien. Luise nimmt sich vor mehr über Gefühle zu sprechen , das finde ich ein schönes Reha Ziel , gleichzeitig versucht sie etwas extrovertierter zu werden, weil sie merkt, dass man so schneller in Kontakt kommt. Elias hat als Ziel zu chillen und mit mir besser im Tennis zu werden. Aber auch wir beide wollen noch über einige Dinge sprechen , die bis jetzt einfach schwer für ihn auszusprechen waren. Das kann harte Arbeit für ihn werden.

Heute war ich mit Elias in einer Clown Therapie.

Kennt ihr das noch von früher???

„Bitte nicht mich aufrufen….“

Na, da kam ich wohl heute nicht drumrum

Mit vier Kindern und vier Müttern und zwei (!) Clowns in einem Raum war klar , dass ich mitmachen musste.

Elias fand die Spiele lustig, waren sie auch. Aber eben auch Clown mäßig.

Und wer hätte es gedacht? die Therapie bringt mich zum weinen.

Warum?

Ganz am Ende sollte jeder die Augen schließen und sich einen Herzenswunsch ausdenken.

Dann, mit Augen zu, so tun als ob man ihn aus dem Boden ausgräbt und dann in den Himmel wirft!

Die Kids Jubeln und ich kann nur den einen Wunsch denken:

Komm zurück.

Ja, ich weiß, es ist kein richtiger Wunsch und deshalb suche ich nach einem anderen.

Aber immer will mir nur dieser einfallen…

Am Ende wünsche ich mir eine gute Mutter zu sein.

Die Schmach ist vorbei.

Ich kaufe Kaffee und gehe zu meiner nächsten Therapie in der Gruppe….es geht um Kommunikation. Interessant.

Vorher sitze ich auf der Bank und will warten bis das Gefühl des Vermissen wieder weniger wird und die Tränen wieder leichter zu unterdrücken sind aber da kommt auch schon ein Mitstreiter und setzt sich neben mich:

„Hi, bist du jetzt auch in der Gruppe?“

Auf geht ’s . In Gedanken nehme ich Thomas ‚Hand um nicht alleine gehen zu müssen, schüttel den Kopf über die verrückte Situation und setze mich in einen Stuhlkreis….

You&me

2 Antworten zu „Reha und Wünsche”.

  1. Hey, in 5 Wochen Tennisprofi. Ernsthafte Karrieren nach so kurzer Zeit bekomme ich als Jobcoach nicht hin 😉
    Euch alles liebe und eine schrecklich schöne Zeit. Knuddel mir die Beiden- und du, fühl dich auch geknuddelt.

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    1. Wo ein Wille ….😜danke Aleks!

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