Alles neu macht der Mai, oder so ähnlich?
Ich habe keine Lust mehr ohne Thomas zu sein.
Ich fühle mich nicht neu sondern ganz im Gegenteil: alt und genervt.
Dauernd liegt was im Weg oder mir fällt etwas runter.
Oder es geht was kaputt.
Meine Waschmaschine, meine Flex, meine Hose, mein Autospiegel wird abgefahren.
Ich habe für eine Hochzeit am Samstag noch nichts zum Anziehen, weil ich mich in nichts wohl fühle. Ich bin zu dick oder es ist der falsche Stoff, ich bin zu klein oder zu bleich. Die Farbe ist zu schwarz, die Farbe ist zu bunt . Es ist zu teuer, zu billig, es muss anprobiert werden….aaahhh.
Ich habe kaum Zeit und gleichzeitig bereite ich Haus und Garten auf die Konfirmation meiner Tochter vor. Wir haben Nachtreffen von der Trauergruppe und Elias macht mir Sorgen in der Schule.
Es müssen Entscheidungen getroffen werden und ich bin müde oder aufgekratzt weil noch so viel Arbeit vor mir liegt.
„Elias hat die Ernsthaftigkeit des Kunst Unterricht nicht verstanden“ – ein Satz aus dem Brief den die dazugehörigen Lehrerin geschrieben hat.
Das hat Elias nicht verdient.
Vor 8 Monaten ist Thomas gestorben.
Für viele ist das Leben weiter das Leben. So Dinge passieren. Anderen.
Für uns ist jeder Tag immer noch ein Tag ohne ihn.
Für uns ist jeder Tag Vermissen .
Für uns ist jeder Tag Verdrängen.
Für uns ist jeder Tag anstrengend.
Man merkt es uns nicht an. Denn auch wir leben und machen weiter. Ja, da kann schon Mal die Ernsthaftigkeit des Kunst Unterrichtes verloren gehen…
Das Treffen mit der Trauergruppe am Freitag hat mich mitgenommen. Ein Betreuer der Kindertrauergruppe hat einen kleinen Film zusammengestellt. Darin zu sehen: unsere Kinder. Wie sie basteln, reden, singen, lachen und essen.
Ich sehe alle Kinder an. Jedem sieht man an, dass es mitgenommen ist. Kein Kind sollte so aussehen. Kein Kind sollte sich damit beschäftigen, dass jemand so wichtiges einfach weg ist. Tot, niemals zurück kehrt.
Sie tun mir alle so leid.
Luise hat ein tolles Fest an ihrer Konfi verdient. Ich will es ihr so schön gestalten wie es nur möglich ist. Viele helfen mir und es ist mir fast unangenehm meine Nachbarn um noch mehr Dinge zu bitten. Ohne sie wäre ich echt arm dran.
Luise durfte sich ein Kreuz aussuchen an einer Kette mit einer kleinen Gravur. Klein weil das Kreuz klein ist.
„Was meinst du soll darauf stehen?“
„Papa und das Datum wo er gestorben ist“
Es gibt Tage, da kann ich es nicht aushalten, muss es aber.
So sehr sie es verdient hat und so sehr ich mich darauf freue, so sehr rückt es in mein Herz: wie werden ohne Papa da sein. Wir werden ohne ihn feiern. Thomas und ich werden nicht Händchen halten und uns angrinsen, weil wir stolz sind. Unser Kind: so groß, so lieb, so toll. Wahrscheinlich werde ich bei jedem Kirchenlied weinen es aber irgendwie verhindern wollen , weil es Luises Tag ist. Und eine weinende Mutter keine gute Aussicht ist….
Ach ja, den Tag vorher feier ich auch unseren 16. Hochzeitstag alleine und das Wochenende vorher gehe ich zu einer Hochzeit alleine. Vielleicht sind bis zur Konfirmation die Tränen versiegt.
Vielleicht kann ich ja auch noch zu einem Treffen mit der Kunstlehrerin gehen. Das würde mir gut in den Kram passen.
Oh oh, ihr merkt der Tag ist nicht gut.
Ich finde vor unsere Gartenhütte einen Verschluss des Infusionsschlauchs von Thomas Morphiumpumpe.

Ich bin müde immer was zu finden .


Fotos finde ich übrigens auch und Schuhe.
Und seine Drehmaschine.
Ich muss schlafen. Der Tag muss vorbei gehen.
Manche Tage sollten nur 2 Stunden haben. Das reicht.


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