Ein ewiger Kreis

Und das Leben …. Ein ewiger Kreis….

Ist es so?

Beim genaueren Hinsehen, denke ich schon.

Ich bin Hebamme und habe viele Familien versucht liebevoll zu begleiten in einen neues Leben. Ich habe ihnen gesagt, dass sie achtsam mit dieser neuen zarten Zeit umgehen sollen, sie genießen und gleichermaßen gütig mit sich selbst sein sollen. Habe ihnen geraten, die Zeit festzuhalten in einem Buch oder in Bildern. Habe ihnen empfohlen, langsam erst wieder neu durchzustarten, wenn sie sich erholt haben und aneinander gewöhnt haben. Wenn sie sich ihrer neuen Rollen bewusst geworden sind.

Habe zu wenig Besuch geraten und zu viel Ruhe. Zu beobachten und zu lernen.

Am Ende von Thomas Leben war es so ähnlich. Wir waren vorsichtig, haben in unserer Blase gelebt, wir wussten nicht was auf uns zu kommt, waren unsicher aber so voller Liebe wie es kaum möglich war.

So stolz wie ich auf Luise und Elias war, als sie das Licht der Welt erblickt haben, den Geburtskanal passiert haben und somit den Schritt ins Leben gewagt haben , so stolz war ich auf Thomas in diesem Moment als der Schritt in eine andere Dimension auf ihn zukam. Und genauso haben wir ihm geschützt und unterstützt.

Am Wochenende war ich auf einer Fortbildung.

Keine kannte mich, ich kannte niemanden.

Es tat gut. Der Austausch mit Fachleuten, irgendwie anders denkend , ich merkte wie Thomas mir Zuhause fehlt. Wie sehr mir unsere Gespräche fehlen , seine Art miteinander umzugehen , Meinungen zuzulassen und neue Meinungen zu bilden.

Keiner wusste um unsere Geschichte und es erinnerte mich an die Zeit als ich ganz frisch schwanger war. Keiner wusste davon, keiner sah es mir an. Ich wusste es. Und ich habe es genossen es für mich zu behalten. Mein Geheimnis: ich helfe einem Menschen auf die Welt, meinem Kind, ein kleiner Zellhaufen mit einem Bewusstsein genau bei uns zu landen. Wie sehr ich diese Momente genoss.

Und dann eine neuer Moment: ich muss es in die Welt hinausschreien: wir bekommen ein Baby! Unmöglich, dass ihr es noch nicht wisst!!!

Genauso fühlte es sich am Samstag an.

Ich komme mit meinem Geheimnis hierher. Niemand weiß es, niemand soll es wissen. Sie sollen mich nicht bewerten, sie sollen mich nicht mit anderen Augen ansehen. Sie sollen sich nicht verändern in ihrem Verhalten.

Aber dann ist es wieder da , wie damals: unmöglich, dass sie es nicht wissen. Die ganze Welt muss es erfahren.

Ich muss meine Rolle also immer noch etwas üben. Sowie frischgebackene Eltern ihre Aufgaben lernen müssen und sich diesen stellen, so muss ich es auch. Die frischgebackene Mutter liegt bereits in mir. Die Frau, die auf einmal ohne ihr Puzzleteil da steht muss erst wachsen.

Der Urlaub hat dabei so gut getan.

Hier im Alltag ist es komischerweise wieder etwas schwerer.

Es gibt soviel zu tun und einiges bleibt auf der Strecke.

Gefühle zum Beispiel.

Darunter auch Selbstvertrauen und Mut.

Übrig bleiben Müdigkeit und Zweifel.

Wie bei einer Mama.

Aber was niemals in Vergessenheit geraten wird:

Liebe. Liebe zu unseren Kindern und zu Thomas.

Am Ende seines Lebens fühlte er sich an wie mein Baby. Verletzlich und zart. Und mutig und stark.

Ja, das Leben scheint einem Kreis sehr ähnlich.

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