Osterferien! Lange darauf gewartet und jetzt sind sie da. Wir wollen in den Süden Frankreich fahren. Dorthin wo wir immer waren. Wir wollen einen Zwischenstopp bei meiner Freundin in Lyon einlegen und am nächsten Tag weiterdüsen. Wir hoffen auf etwas mehr Sonnenschein und Meer. Hoffen, dass diese beiden Komponenten unsere Seelen streicheln.
Die Kinder freuen sich wie verrückt. Ich auch. Allerdings fahren viele Gefühle mit.
Respekt vor der langen Fahrt, Angst vor den Erinnerungen, Trauer um Thomas, Sehnsucht nach Zweisamkeit, Vorfreude die eigenen vier Wände Mal kurzfristig zu verlassen.
Ich hole die Kids von der Schule ab und los geht es. Geplant ist es in ca 8 Stunden bei meiner Freundin einzutreffen.
Alles ist fertig und wir sind guter Dinge.
Die Kids sind müde von der Woche und machen es sich im Auto gemütlich.
Sie sind schneller eingeschlafen als ich Piep sagen kann . Und dann passiert es wie sooft :
Ich sitze . Ich fahre Auto. Die Hände ruhig. Nun
hat der Geist Zeit.
Ich fahre Richtung Bonn und da sind sie: alle Erinnerungen. Wie ich Thomas jeden Tag zu Therapie nach Bonn gefahren habe. Er neben mir. Mal mit einem gutem Tag und Mal mit einem Schlechten. Immer mit Liebe.
Immer mit Angst , dass es vielleicht doch nicht gut ausgeht, immer mit Hoffnung, dass uns das Wunder passiert was manchen Menschen zuteil geworden ist.
Es bricht förmlich über mich. Tränen der Verzweiflung und Unglaubens rollen aus den Augen. Zum Glück biege ich aber Richtung Koblenz ab, das Drei??? Graffiti Richtung Königswinter hätte mir wahrscheinlich den Rest gegeben.
Ich höre einfach ein Hörbuch. Ablenken um jeden Preis.
Ich kann mich den Gefühlen nicht stellen.
Die Fahrt geht gut. Bei meiner Freundin werden wir herzlichst empfangen. Es ist so schön. Aber es fehlt jemand. Nein, nicht jemand. Thomas fehlt an meiner Seite. Der den Rotwein mit Käse genießt und davon schwärmt was alles für uns vorbereitet wurde.
Auch im Bett abends fehlt er und am nächsten Tag fehlt er beim Frühstück. Bei der Abfahrt.
Ohne ihn verfahre ich mich gleich und mein Ziel rückt auf einmal eine Stunde nach hinten. Mist. Wäre mit Thomas nicht passiert.
Luise erzählt, dass sie sich von dem Geld was sie geschenkt bekommen wird zur Konfirmation eine Kette kaufen möchte. Silber, mit einem schlichten Kreuz. Ich frage wie sie darauf kommt und sie sagt, dass Thomas ihr eine schenken wollte zur Konfi. Stimmt! Ich erinnere mich. Wieder steigen Tränen auf. Diese armen Kinder. Ich kann es kaum ertragen.
Wieder kommen Erinnerungen hoch: Auf der Reise die wir sooft unternommen haben, haben wir oft die Kids bei Laune halten müssen. Es gab ein Donald Duck Comic, etwas zum Malen, gelbe Autos zählen, Automarken zählen…. Thomas und ich haben es immer ohne große Mühe irgendwie geschafft die Kids so lang bei Laune zu halten.
Ich erinnere mich an eine stürmische Fahrt , wir hören der kleine Drache Kokosnuss. Eine Folge mit einem Gespenst. Und wie als wenn es gestern wäre, kommen genau diese Gefühle auf. Wie Thomas und ich bei der Folge mit fiebern , es blitzt und donnert auf der Bahn und es passt so herrlich zur Stimmung der Geschichte. Thomas und ich sind begeistert.
Wir sehen das Meer und die Vorfreude wird riesig . Wir schauen ob jemand surft, freuen uns über Palmen und das kleine Rugby Stadion.
Jetzt tut es weh.
Aber die Kids freuen sich genauso sehr! Und ich mache mit, indem ich die Minute der Ankunft ansage. Noch 39Minuten, jetzt nur noch 29….
Sie jubeln und erinnern sich an bestimmten Punkten der Reise.“ Weißt du noch Mama?“ Sie machen mich glücklich.
Endlich angekommen ist es dunkel und sehr stürmisch. Wir gehen zum Meer und die beiden lassen sich einen kleinen Sandhügel runter kullern. Sie lachen, sie sind so glücklich in diesem Moment, dass ich aufstöhnen muss unter dem Schmerz den mein Herz genau jetzt produziert. Eigentlich muss die Welt diese Erschütterung meines Herzens gespürt habe , so groß kommt sie mir vor. Aber nein , kein Martinshorn in hörbarer Weite, kein Mensch der herbei eilt um erste Hilfe zu leisten.
Schnell, das Gefühl nach unten schlucken.
„Kommt, wir suchen nach unserem Mobil Heim“ , „Mal sehen wie es eingerichtet ist“.
Jubel.
Jetzt alleine im Bett. Die ganze Fahrt wollte ich Thomas was zur Route fragen, wollte ihm erzählen was sich verändert hat, wollte das Hörbuch teilen.
Immer wieder aufs Neue die grausame Erkenntnis.
Aber jetzt sind wir hier.
Und mir fällt ein Gedicht ein , was ich Thomas mal ausgedruckt und eingerahmt habe, (so oder so ähnlich -verzeiht wenn es nicht ganz richtig zitiert ist):
„Kommt meine Freunde, noch ist es nicht zu spät eine neue Welt zu finden. Lasst uns weiter segeln, weit über den Horizont hinaus.
Auch wenn wir nicht mehr die Kraft besitzen die in alten Tagen Himmel und Erde bewegten, so sind wir dennoch wer wir sind.
Wir sind Helden deren Herzen im Einklang schlagen und stark ist unserer Wille , zu hoffen , zu kämpfen und nicht zu verzagen „
So soll es sein.


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