Elias und ich schauen Transformers.
Auf einmal sagt er : Mama, wenn ich mich so fallen lassen, sieht es dann so aus als wäre ich echt von einer Kugel getroffen?
Er lässt sich zur Seite fallen und es sieht genauso aus wie der Moment als Thomas sich zur Seite fallen lässt und seinen letzten Atemzug macht.
Ich bekomme eine Herzaussetzer, einen Adrenalinschub.
Es ist passiert, ich war dabei!
Wieder kurz dieser tiefe Abgrund, Angst, großes Entsetzen.
Dann wird es wieder von meinem Unterbewusstsein verschlossen und es lässt mich nicht mehr hin.
Später im Bett zeigt Elias mir einen blauen Fleck am Knie.
Und mir fällt auf, dass er die selben Kniee hat wie Thomas und dass er schon genauso viele Haare an den Beinen hat.
Ich sage es ihm. Er findet es blöd.
Ich sage, dass Thomas und ich ihn extra so schön gebaut haben. Er meint, kann ja sein, dass es als Erwachsener schön wird. Jetzt sind es einfach zu viele Haare….
Luise kommt ins Zimmer und erzählt etwas und auch in ihrem Gesicht erkenne ich Thomas.
Ich kann nicht schlafen , überall sehe ich Thomas Gesicht-
Wenn ich mal von Thomas träume, was sehr selten ist, dann träume ich immer von Krankheit, von gemeinsamer letzter Zeit, geprägt von Sorge, Traurigkeit und Angst.
Im Traum hat er den Schritt in die nächste Welt noch vor sich und ich den Abschied von ihm als grauenvolle Phantasie vor meinem inneren Auge.
Oft sind diese Träume dunkel, schwer und zäh.
Wenn ich aufwache bin ich fast froh, dass wir diesen Schritt schon geschafft haben und ihn nicht nochmal gehen müssen.
Trotzdem wünsche ich mich dorthin zurück. Noch mal zusammen weinen, nochmal sich aneinander festhalten.
Ich weiß, dass wir dankbar sein können, für seinen so friedlichen und natürlichen Tod. Nicht aus dem Leben plötzlich gerissen, nicht entschieden haben Maßnahmen zu stoppen, sondern sein Körper und sein Geist haben sich einfach verbschiedet. Freiwillig und ohne medizinische Zutun.
Für viele die ihn hier auf der Couch verabschiedet haben war sein liebevoll glücklicher Gesichtsausdruck und diese irgendwie freundliche Ewigkeit heilsam. Zu viele Menschen haben Menschen auf eine andere Art verabschieden müssen und es war wie eine Therapie Thomas dort liegen zu sehen, erleichtert mit einem zarten Lächeln auf dem Gesicht.
So konnte er noch auf seinem Weg Menschen eine Vorstellung von Tod mitgeben , die uns Mut machen kann. Der Schritt ist groß und doch lohnt er sich vielleicht?
Dieses Lächeln gibt Hoffnung auf eine Ankunft, ein Willkommen, eine bessere Zeit, eine Unbeschwertheit , die die Wenigsten auf dieser Erde wahrnehmen können.
Nein, wenn man dieses Gesicht gesehen hat, kann man keine Angst mehr vor dem Tod haben.
Danke, Thomas.
Danke für diese Heilung und die Hoffnung.
Danke, für diese Liebe und das Bewusstsein.
Ich liebe dich immer und immer.


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