Apropos Hoffnung

Ich bin in Projekt Laune und obwohl ich meine Freundin darum gebeten habe, mich von einem Großprojekt abzuhalten, bin ich viel zu ungeduldig um damit zu warten.

Ist es die Flucht vor den Gedanken?

Ich glaube es nicht, denn ich denke und denke beim Arbeiten.

Über Thomas, über die Kinder. Über Hoffnung und Zukunft.

Ja, ich höre wie immer neutrale Klaviermusik und nichts mit Texten aber ich kann entspannen. Mein Hände arbeiten und mein Gehirn ebenfalls. Wie immer freut es sich an der Tatsache etwas sinnvolles zu gestalten und gleichzeitig bin ich voller Vorfreude zu sehen wie es wohl fertig aussieht.

Thomas meinte immer, dass mein Verhalten gegenüber meiner Vorhaben etwas pathologisch sei. Wenn ich Lust auf eine Umgestaltung habe, muss ich das sofort umsetzen. Und wenn es bis tief in die Nacht ist.

Gestern, als ich fertig mit meiner Raumgestaltung geworden bin, habe ich ihn von oben rufen hören : “ Schatz , hör jetzt endlich auf und komm ins Bett.“

„Ja, gleich. Ich packe die Sachen noch eben zusammen, bin schon fertig, ich komme.“

Ich lass die Hunde raus und als ich die Treppe hoch gehe, weiß ich dass mein Bett leer ist- ach nein- doch nicht. Elias hat sich auf Thomas Seite gemütlich gemacht.

Heute morgen kraule ich ihn zum Aufwecken . Ich weiß, dass er es liebt. Thomas hat ihn immer so geweckt, weswegen er lieber von ihm geweckt werden wollte.

Gleichzeitig spüre ich, dass ich Thomas Körper vermisse. Seine kräftige Statue, sein fröhliches: „Morgen Schatz, hast du gut geschlafen, ich hab was abgefahrenes geträumt….“

Ich selber kann so viel gar nicht reden wenn der Wecker klingelt aber Thomas war dazu in der Lage.

Gut gelaunt, sich auf einen Kaffee freuend oder auf ein Nutella Brot.

Ich gestalte Dinge um, da ist die Hoffnung, dass es hilft für einen Neuanfang , trotzdem ist es ernüchternd, dass trotz der Veränderung die Lücke bleibt, die Sehnsucht bleibt, die Trauer bleibt. Oder manchmal sogar noch größer erscheint.

Wie immer komme beim renovieren an Grenzen: Geld, Zeit, Kraft und meine Gedanken.

Aber es tut gut. Zusammen mit der Vorfreude fließen Tränen aber auch positive Gedanken tauchen auf.

Die Energie folgt der Aufmerksamkeit.

Also : „denk positiv, Julia“

Wie lustig Thomas sein konnte, wie liebevoll, denk an schöne Erinnerungen, denk an die ganze Liebe. Denk daran was er wohl zu dem Projekt sagen würde….

Ich weiß genau was:

„Wieso wills du das machen?

Die Fliesen sind doch noch gut!

Ob das wirklich eine gute Idee ist?

Das ist am Ende auch teuer, Julia.

Wann willst du das denn noch machen?

Wie sollen wir denn den Schrank dahin bekommen?

Wieso soll das denn umgeändert werden, das sieht doch noch gut aus!“

Ich hätte mit Thomas über das Projekt die kompletten Keller Fliesen zu streichen sehr diskutieren müssen 🙂 🙂

Aber wisst ihr was er am Ende gesagt hätte:

„Boah, Schatz das sieht mega aus! Da hätte ich nicht gedacht. Echt, mega. „

Und dann hätte er mich in den Arm genommen und hätte sich alles genau angeschaut und sich erklären lassen wie ich mir vorstelle es einzurichten….

Er fehlt mir so .

4 Antworten zu „Apropos Hoffnung”.

  1. Es geht weiter ( Robert Frost)

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  2. Es ist ein Zitat von Robert frostz

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    1. Danke ich weiß💓er hat ja auch soviel Verlust erlitten, deshalb meinte ich, dass er es ganz bestimmt weiß 🥹

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