In der Trauergruppe liest eine der Gruppenleiterinnen eine Geschichte über die Hoffnung vor.
Es ist eine schöne Geschichte. Es geht um Gefühlsfamilien wie Glaube, Liebe, Hoffnung und Sehnsucht. Die Hoffnung ist immer da. Mal klein, mal groß, mal versteckt aber immer da.
Die Geschichte nimmt mich mit.
Am Sonntag vor Thomas` Tod ruft eine Dame vom Hospizdienst an, sie lässt sich Thomas von mir beschreiben und sagt : „Frau Weiermann es ist wichtig , dass sie jetzt die Hoffnung aufgeben. Es wird nicht mehr besser sondern nur noch schlimmer.“
Sie hatte natürlich recht-
Andrea, Thomas Schwester ist darüber etwas sauer, sie will sich nicht sagen lassen wann man Hoffnung aufgeben soll.
Ich verstehe das so gut.
Mir hat es geholfen, weil ich dann mit den Kindern geredet habe und endlich mal jemand gesagt hat was ich gefühlt habe aber nie ausgesprochen wurde.
Trotzdem: Gib die Hoffnung auf!!!
Gekämpft und gekämpft, gegenseitig Mut gemacht, Erspartes für Therapien ausgegeben, durch Deutschland gereist, Kraft am Meer getankt und nie aufgegeben in all den Jahren seit 2003. Thomas war im Kampfmodus.
Und jetzt sagt jemand : Geben Sie die Hoffnung auf.
Wie soll das denn gehen?
Ich denke die Hoffnung stirbt zuletzt?
Thomas und ich hatten noch so viel vor. Nur kleine Dinge, aber zum Beispiel wollten wir, wenn wir Rentner sind immer gemeinsam beim Bäcker frühstücken. Einen leckeren Kaffee serviert bekommen, ein belegtes Brötchen dazu und es uns gemütlich machen, reden , Zeitung lesen oder ein Buch, nicht den Tisch decken und nicht die Küche aufräumen.
Obwohl es noch 30 Jahre gedauert hätte und wir es dann wahrscheinlich doch nicht gemacht hätten habe ich mich schon so darauf gefreut-
Gib die Hoffnung auf. Jetzt
Wir hatten so große Lust noch mal nach Montenegro zu fahren oder die Polarlichter zu sehen oder mit der transsibirischen Eisenbahn zu fahren
Gib die Hoffnung auf. Jetzt.
Wir waren gespannt auf die Zukunft der Kinder, was sie wohl werden und wie sie wohl aussehen würden.
Gib die Hoffnung auf. Jetzt
All die Jahre ein optimistisches: „Geben Sie nicht die Hoffnung auf“
Aber jetzt. Gib sie auf.
Als Thomas am Dienstag mitbekommt wie ich zu einem Arzt bei uns Zuhause sage, dass es so kein Zustand für uns alle ist, weint er und sagt zu mir : du denkst also dass ich sterbe?
Was antwortet man denn auf so einer Frage?
„Nein, bitte nicht, stirb nicht, bleib uns.“ Aber die grausame Wahrheit ist. dass es kein Leben mehr ist, kein Zustand den man lange aushalten kann.
Er hat mir recht gegeben und ist gestorben, in der selben Nacht. Er hat die Hoffnung aufgegeben gleich nachdem er gehört hat, dass ich sie aufgegeben habe.
Was macht das mit mir?
KEINE AHNUNG.
Es tut weh.
Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber wo ist sie dann ?
Glaubt ihr an Wiedergeburt?
Ích zum Glück schon.
Das bedeutet sie ist irgendwo.
Ja , wie in der Geschichte: sie ist in Kinderaugen, sie ist in einem Lachen und in einer blühenden Blume.
Sie ist noch eine Embryo – Hoffnung, ganz klein, ganz zart und noch zerbrechlich aber ich spüre Kraft in ihr und zwar große!

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