Ich schreibe aus einem Hotel, ich schreibe von meinem Handy.
In Wuppertal. Allein der Stadtname bringt Melancholie mit sich. Thomas Geburtsort.
Ich habe hier meine Ausbildung unter schweren Bedingungen irgendwie absolviert und habe es so lieben gelernt wie keine Stadt danach. Selbst Köln, wo ich mit Thomas gelebt habe, kann mir nicht die Emotionen geben wie es Wuppertal kann…. Verrückt, ich weiß. Soviel Erinnerungen.
Thomas ist hier aufgewachsen mit seinem Freund Alex und das Universum hat mich hier her gebracht. Unter allen Menschen habe ich hier meinen besonderen Freund Robert kennengelernt mit dem ich, glaube ich jede Bar ausgiebig genossen habe.
Thomas habe ich in Köln kennengelernt. Ich habe ihn auf einem Geburtstag gesehen und wusste: er oder keiner. Im Gespräch kam erst heraus, dass er Wuppertaler ist und natürlich wurde das Gesprächsstoff Nr. 1.
Heute bin ich unterwegs in Wuppertal mit Robert und Alex, Thomas‘ ältesten Freund der auch ein Freund von mir geworden ist.
Es ist Donnerstag nach Heiligabend, nach dem 25.12. und nach dem Geburtstag unserer Tochter am 27.12.
Die Tage waren emotional gesehen ein Supergau.
Er hat gefehlt wie nie. Luise, die gerne ihre Geburtstagsgeschichte hört, fragt noch mal nach….
„als du geboren wurdest, war es magisch. Du hast geweint und weil die Hebamme sich um mich gekümmert hat, lagst du auf Thomas Brust. Auf der Couch. Heimelig und warm. Thomas hat immer von diesem Moment geschwärmt.
Danach sind wir ins Bett und ich konnte nicht schlafen,weil ich so stolz war auf dich und Thomas und mich. Ein Wunder zwischen uns liegend. Ein Teil von ihm, ein Teil von mir und so wundervoll wie es nicht zu beschreiben ist.
Er hat dich geliebt vom ersten Moment bis zum letzten und auch dein Bruder steht dem in nichts nach. Auch ihn hat er gewiegt und so liebevoll auf der Couch willkommen geheißen wie es kein Hollywood Kitsch hergeben kann.“
Ich kann nicht mehr, mehr besondere Momente ohne ihn aushalten.
Seinen Tod
Elias Geburtstag, Thomas Geburtstag, mein Geburtstag, Weihnachten, Luises Geburtstag und jetzt steht Sylvester vor der Tür. Ich sehne mich ins neue Jahr .
Aber auf heute habe ich mich gefreut.
Wuppertal mit Freunden.
Robert schenkt mir die Übernachtung im Hotel, Alex holt mich ab. Ein schönes Essen und viel Bier.
Einige alte Bars.
Gute Gespräche und viel Lachen.
Um zwei bringen mich die beiden zum Hotel. Eigentlich bin ich traurig, dass der Abend vorbei ist. Jeden Schritt ist Thomas mitgegangen, jedes Kölsch hat er mitgetrunken, jeden Witz mit gelacht. Wegen mir wären wir ewig unterwegs gewesen. Aber es ist Donnerstag und es reicht. Ich gehe auf mein Zimmer und ich sehe ein Trikot von WSV. Eingerahmt an der Wand. Ich will ein Foto davon machen und es Thomas morgen zeigen. Ich will ihm von dem Abend erzählen, von Wuppertal, von unseren Freunden.
Stimmt, er ist nicht mehr da.

Hinterlasse einen Kommentar