Trauer und Feier passt ja irgendwie nicht.
Nun ja, sehen wir uns die Definition von Feier an, ist ein Fest oder eine Feier ein gesellschaftliches oder religiöses Ritual oder ein Ereignis , zu dem sich Menschen an einem Ort zu einem besonderen Zeitpunkt treffen und gesellig sind. Es sind Tage an den keine Geschäfte vorgenommen werden…
Passt also doch irgendwie.

Ich habe etwas länger darüber nachdenken müssen, wie groß wir die Feier gestalten wollen. Aber am Ende hab ich gedacht, dass sich wahrscheinlich viele von Thomas verabschieden wollen, die in letzter Zeit Kontakt zu ihm hatten. Das waren Arbeitskollegen, das waren Freunde und Nachbarn, die Menschen aus Vereinen oder Menschen aus dem Gesundheitswesen die ihn lange begleitet haben. Auch meine Arbeitskollegen wollten kommen. Manche kannten Thomas, und manche kannten ihn nur aus meinen Erzählungen. Der Kreis wurde jetzt schon ziemlich groß und ich habe nicht angefangen alte Freunde einzuladen mit denen Thomas lange nicht in Kontakt stand. Auch wenn diese Menschen darüber etwas traurig waren.
Wir brauchten so schon Platz. Es waren ca. 130 Menschen die kommen wollten. Ich fragte in einem Lokal ganz in unserer Nähe nach. Das Heidestübchen war für Thomas und mich immer ein wunderbarer Ort . Es liegt so schön im Grünen und hat irgendwie einen besonderen Charme.
Für uns war es dorthin immer ein schöner Spaziergang und ab und zu gönnten wir uns ein Essen.
Das letzte Mal als wir da waren, ich glaube das war im Frühling, fiel ihm der Rückweg schon sehr schwer.
Für mich war eigentlich klar, dass ich gerne das Heidestübchen für den Abschied von Thomas buchen würde. Der Außenbereich ist groß und wunderschön, es gibt einen kleinen Fußballplatz, sodass sich auch die Kids etwas austoben könnten und die Besitzer sind immer sehr liebevoll zu uns gewesen.
Zum Glück passte es zeitlich.
Da Thomas sich gewünscht hatte, dass wir uns an diesem Tag an ihn erinnern fragte ich einige wenige ob sie etwas über ihn erzählen wollen….
Nachdem ich den Trauerredner kennenlernen durfte war ich beruhigt. Er würde uns schon gut durch das Fest leiten.
Am 10. 09. sollte es soweit sein. Die Vorbereitungen liefen. Und ehrlich gesagt, freute ich mich auf den Tag. Ich freute mich auf all die Menschen und ich freute mich für Thomas einen würdigen Abschied zu zelebrieren. Luise hatte eine große Regenbogen Torte gebacken. Thomas hätte sich gefreut.
Er war einen Dramaqueen (in manchen Fällen) und ich wusste es würde ihm gefallen was wir vorbereiteten.
Am 10. regnete es. Und zwar wie aus Eimern. Ich konnte es nicht glauben. Wochenlang nur Sonne und Trockenheit und jetzt kam das Wasser vom Himmel als würden Dämme brechen.
Gut, es brachen auch Dämme.
Die Feier musste in den Räumlichkeiten stattfinden, was zwar schade war aber den Besitzern gilt hier ein riesen großes Dank, weil sie es super toll umorganisiert haben.
Obwohl ich mich auf den Tag freute ( Wahnsinn, oder?) wurde ich morgens so nervös, dass ich mich selber kaum ertragen habe. Eine innere Zerrissenheit überkam mich, Stresshormone fluteten mein Blut. Ich war zittrig und aufgeregt. Ein großer Druck lag auf meiner Brust und als ich im Heidestübchen ankam um die Urne zu empfangen und mit zu dekorieren musste ich zur Entlastung weinen.
Die Feier war wunderschön. Ich hatte drei Musikstücke ausgewählt – auch wenn eins davon ein Partysong war. Wenn man dieses Stück hört muss man einfach an Thomas denken. Wie er betrunken über die Tanzfläche hüpft mit einem groß geöffneten Mund grölt und seine Arme verrückt hin und her schwenkt. Also tanzen konnte er wirklich gar nicht.
Es haben einige liebe Menschen etwas über ihn erzählt, manche auch ganz spontan, vor allen die dort waren. Es war rührend und so voller Liebe, dass ich so stolz auf ihn und auch auf diese Menschen war.
Er war ein wunderbarer Mensch.
Er war klug und voller Liebe und Zärtlichkeit. Er liebte Notizen, Excel Tabellen, Fußball, Brettspiele, Windsurfen, das Meer und mit seiner romantischen Ader den Sonnenuntergang und die Sterne, alle Arten von Tieren und natürlich seine Kinder. Wenn es nach ihm gegangen wäre hätten wir noch ein paar bekommen. Er lachte viel, manchmal klang sein Lachen etwas witzig, dass man noch mehr lachen musste.
Er konnte immer gut kommunizieren und meiner Meinung war seine größte Stärke über Dinge nachzudenken. Er konnte immer helfen mit einem klugen Rat wenn es um Entscheidungen jeder Art ging. Er war, wenn er Lust hatte, ein geselliger Mensch der sich gut unterhalten konnte. Aber eigentlich war er immer am liebsten mit uns zusammen. Er war völlig zufrieden mit uns das ganze Wochenende hier abzuhängen, eine Spiel zu spielen, eine Film zu schauen und eine Pizza zu bestellen.
Natürlich konnte er auch anders aber ich habe keine Lust über seine andere Seite zu schreiben. Aber es gab sie natürlich und auch in unserer Liebesgeschichte war nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen.
Apropos, er liebte Pfannkuchen. Er meinte immer ich soll ein Pfannkuchenhaus aufmachen so gut wie ich sie zubereite. Kulinarische Küche chez Julia : Heute auf der Speisekarte : Pfannekuchen mit Salat und Käse….
Na, jetzt bin ich aber abgewichen. Aber eigentlich ist auch alles gesagt.
Es war sehr persönlich, liebevoll und besonders.
Abends haben wir zusammen gesessen, Suppe gegessen, etwas Bier getrunken.
Irgendwie haben wir uns durch den Tag gekämpft, der Regen hat es nicht einfacher gemacht aber irgendwie passte es. Ein Tag der an Absurdität nicht zu übertreffen ist, kann glaube ich nicht mit Sonne begleitet werden.


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