Puh, ist das schwer

Weihnachten

Die Vorweihnachtszeit haben wir eigentlich ganz gut rumgekriegt. Das ein oder andere Weihnachtslied raubt einem zwar den Verstand, aber wenn ich mich nicht dem Gefühl hingebe geht es.

Wie immer ist man doch beschäftigt, die Kids schreiben noch Arbeiten und es gibt viele Geschenke zu organisieren. Ich würde Weihnachten gerne ausfallen lassen, aber die Kids wollen alles „wie immer“.

Und natürlich machen wir es so, wie sie es sich wünschen.

Wir feiern also wie immer bei meinen Eltern mit meinen Geschwistern und deren Partnern.

Am 22. hole ich eine Weihnachtsbaum aus dem Wald mit einem gutem Freund. Das wird erstaunlicherweise lustig. Am 23. stelle ich ihn auf und schmücke ihn mit meiner Schwester und den Kids.

Anschließend fließen die Tränen aus mir raus.

ER FEHLT MIR SO!

Keine unqualifizierten Kommentare wie man einen Weihnachtsbaum aufstellt, kein Abwägen ob der Baum so ehrenhaft genug für die Weiermänner ist.

Dafür müsst ihr wissen, dass unser Baum immer irgendetwas an sich hat was doch etwas seltsam erscheint, zu wenig Äste, zu viele, eine krumme Spitze, zwei Spitzen, zu groß, zu klein. Noch dazu hängt meistens aller Schmuck den wir haben daran, also kein Motto: rot, lila, silber, nur Strohsterne, nur selfmade.  Es sind auch häufig verschiedenen Lichterketten im Baum, weil die die wir haben irgendwie nie reichen.

Dieses Jahr habe ich einen weißen Federkranz in den Baum gehangen, das sieht ein wenig so aus als würde die Spitze in den Wolken hängen oder als wäre der Baum ein Engel.

Thomas und ich hatten am 23. immer frei am Abend. Oft musste ich ja einen der Feiertage arbeiten, aber der 23. war unsere Tradition.

Laute Weihnachtsmusik, etwas zum Snacken, 2 Flaschen Rotwein und vielleicht ein guter Likör.

Erst streiten  wegen dem Baum, dann Lachen weil es ein typischer Weihnachtsbaum der Familie ist.

Dieses Jahr hält meine Schwester dafür her. Sie hat sich getrennt von ihrem Freund und hat zum Glück frei.

Mit dem Grinch , Rotwein und Kakao haben wir den Abend geschafft.

Und dann  kommt der 24. Dezember.

Ich denke ich bin gut aufgestellt und freue mich sogar den Kids ihre Geschenke zu geben, weil ich diesmal echt keine Kosten gespart habe.

Aber während ich noch etwas für ein Geschenk organisieren muss, fangen wieder die Tränen an zu laufen und hören erst mal gar nicht auf. Der Spiegel beim Optiker, wo ich noch ein Lederband kaufe, zeigt mich so fürchterlich dass ich mich wundere , dass er mich überhaupt bedient.

Der Druck wird auf einmal so hoch , dass Tränen einfach fließen. Und dass obwohl ich dachte ich sei gut aufgestellt.

Ich weine während ich alleine unterwegs bin. Zuhause weiter. Aber dann sind die Kinder da und sie freuen sich so , dass ich nicht immer alles verderben will mit meinen Tränen.

Sie können damit nicht so gut umgehen. Sie wissen wenn es ihnen zu viel mit mir wird, dass sie mich wegschicken dürfen. Sie zeigen ihre Gefühle anders. Es ist auch schwer für mich es zu sehen wann sie traurig sind, welchen Trigger haben sie um zu weinen ? Auch sie nehmen Rücksicht auf mich. Ich weiß, dass sie das nicht sollen und brauchen tun sie es erst recht nicht. Sie machen es einfach. So wie ich in Gesellschaft funktioniere tun sie es auch. Und ehrlicherweise bin ich deswegen manchmal dankbar. Es tut eh alles so weh und wenn die Beiden weinen, begrüße ich das zwar sehr, denn ich weiß ja selber wie wichtig Tränen sind aber dann wird der Schmerz unaushaltbar. (Diesen Blog lesen sie übrigens nicht- ich habe sie darum gebeten, ihn erst mit etwas Abstand zu lesen damit ich sie nicht zusätzlich traurig stimme und ich vertraue ihnen)

Ich weiß viel von ihnen nicht . Bin ich deswegen eine schlechte Mutter?

Elias will gar nicht darüber reden, die Fachleute sagen, dass ist normal mit gerade mal 12. Ich munter ihn dazu auf aber er ist in allen Dingen stur wie ein Panzer und wenn er etwas nicht will dann will er es nicht. Meine Tochter macht TIK TOK Videos von Marvel Helden die gestorben sind (im Film). Das entlastet sie. 

Sie hat für Thomas ein sehr hübsches Bild gemalt. das sie in sein Hüttchen hängen und ihm zu Weihnachten schenken will.

Ich glaub das Hüttchen habe ich euch noch gar nicht vorgestellt . Ich werde auch dazu was schreiben.

Sie sind tapfer- ich weiß ich wiederhole mich. Ich bin stolz auf sie.

Ich packe am 24. Geschenke ein, bringe meinem Nachbarn eine Kleinigkeit vorbei, meinem Patenkind. Alles erscheint festlich und fröhlich. Gespannt auf den Abend und die Tage die kommen, irgendwie vorfreudig, wohlig angespannt.

Ich freue mich für sie, gleichzeitig wünsche ich mir auch dieses Gefühl.

Ich bin unwohlig angespannt.

Die Kids fahren mit meiner Schwester vor. Sie fahren noch kurz zu meinem Bruder und dessen Frau. Mindcraft zocken. Für Elias sehr wichtig weil mein Bruder und seine Frau ihn echt gut auffangen. Ihm fehlt einfach der Vater. Ich kann ihn nicht ersetzen. Mein Bruder als IT-ler passt da ganz gut, da Thomas ja Projektmanager IT war.

Sie mögen Technik während ich mich davor scheue und diesen Blog ja auch nie ohne meine Schwägerin auf die Beine gestellt hätte.

Ich gehe noch mit den Hunden und komme dann nach.

Auf der Autofahrt telefoniere ich mit Thomas Schwester. Sie hat genauso die Krise wie ich und wir weinen zusammen 10 Strophen: allerdings Da capo al fine. Bei meinen Eltern sind kleine Kinder und ich bin erstmal abgelenkt, außerdem denke ich, habe ich viel zu wenig getrunken um weiter Träne ausschütten zu können.

Klappt bis zur Bescherung. Dann sind die Schleusen wieder auf. Meine Mutter weint mit mir.

Beim Essen fehlt Thomas einfach als meine bessere Hälfte und mit seinen Beiträgen zur Familienkommunikation. Alles ist anstrengend. Die warme Suppe tut gut.

Ich fahre nach Hause, ich bin müde. Die Diskussion wer Rotwein in vollen Zügen genießen kann hat sich auch erübrigt. 

Heute Morgen reden wir über unsere Gefühle.

Dadurch, dass ihre größeren Cousins nicht da waren, war es ihnen etwas langweilig. da hat Papa gefehlt. Mit ihm ist es einfach lustiger.

Er hatte neben seinem liebvollem Herz auch ein sehr verspieltes Herz.

Hättet ihr weinen müssen, so wie ich?

Nein, so doll nicht. Aber Tränen in den Augen hatten wir schon….

Heute fahren wir zu Thomas Familie.

Der Tag wird bestimmt  auch wieder besonders. Besonders anstrengend, besonders Tränenreich. An diesen Tagen ist die Lücke besonders groß.

Aber es ist nur ein weiterer Tag und der hat auch nur 24 Stunden und auch die gehen vorbei.

Photo by Giallo on Pexels.com

Eine Antwort zu „Puh, ist das schwer”.

  1. Ungeschminkter X-mess und doch mit Harmoniestruktur. Danke für die Einblicke. Lg

    Gefällt 1 Person

Hinterlasse einen Kommentar