Die Kids gehen in die Schule, sie brauchen den Alltag . ihre Freunde und sie wollen auch nicht die Klasse wiederholen.
Ich bleibe einfach sitzen am Tisch.
Und dann?
Weinend am Küchentisch sitzen bleiben? und dann? Wie komme ich bloß aus dieser Schleife?
Wochen vor Thomas Tod habe ich ein Diamond Painting bestellt mit 65000 Diamanten. Damals wusste ich nicht, dass ich größenwahnsinnig geworden bin. Ich dachte einfach, Thomas und ich könnten es im Wintergarten im Winter machen anstatt zu puzzlen.
Da es aus China kommt, was ich auch nicht wusste, kommt es erst 2 Wochen nach Thomas Tod.
Und passend mich zu retten.
Irgendwann fange ich morgens an mich mit dem gigantischen Bild auseinander zu setzen.
Irgendwas muss ich ja machen.
Ich merke schnell , dass es mich entspannt. Meine Hände sind beschäftigt, mein Geist geht mal wandern oder widmet sich einfach nur den Farben.

Oft weine ich dabei oder denke einfach gar nichts.
Ich höre dabei CD. Ja CD. Nicht Spotify, kein Handy.
Eine alte CD , Klaviermusik.
Lang Lang spielt romantische Klavierklassiker. Chopin, Mozart, Beethoven.
Es ist eine billige CD von LIDL und die Aufnahme ist nicht besonders, ich liebe sie trotzdem.
Sie beruhigt mich und bringt mich zum Weinen aber auch zum Wohlfühlen.
Lang Langs Hände spielen sich mit Gefühl direkt in mein Herz.
Jeden Tag morgens, setze ich mich an das Riesenpuzzle immer mit dieser CD. Wenn sie zweimal durchgelaufen ist, beginne ich mit dem Tag.
Anziehen, aufräumen, Tiere versorgen, einkaufen, spazieren.
Es ist wie Zauberei. Wenn die CD läuft ist diese Zeit für Thomas da, für meine Trauer und für alle Gedanken die in diesem Moment kommen und gehen. Viele Gedanken die nur den Kindern gelten. Diese Traurigkeit, wenn ich ihnen in die Augen schaue, diese Tapferkeit weiter zu machen, das große Vermissen im Jetzt und auch jetzt schon für die Zukunft ; alles ohne ihn schaffen zu müssen.
Aber ist die CD vorbei, schaffe ich es aufzustehen und weiter zu machen: wie die Kinder und für die Kinder.
Drei Monate später ist das Bild fertig.
Immer wieder haben mir Menschen bei dem Puzzle geholfen. Hier mal eine Stunde, da mal eine Stunde.
Mit manchen gibt es rege Unterhaltungen, mit manchen schweige ich.
Alle sind sich einig wie gut es tut sich zu sammeln, eine Auszeit der Gedanken, des Hetzens.
Ich male für das große Bild eine Leinwand an , klebe es mit Montagekleber auf und umrahme es mit goldene Streifen.
Es werden alte Bilder abgehangen um für dieses Platz zu machen.
Wenn ich es anschaue erinnere ich mich an alles. Es erzählt eine Geschichte. Die Geschichte eines Prozesses: Der Baum des Lebens.


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