Das große Krabbeln

Am 24 . 8. wird Thomas Leichnam erst am späten Abend abgeholt und wir sind alle sehr froh, dass er den ganzen Tag noch bei uns war.

Man kann über die ganzen Stunden eine Veränderung seines Gesichtsausdruckes wahrnehmen. Er sieht so friedlich aus, als würde er lächeln. als wäre er wo angekommen wo er sehr willkommen ist. Das erste mal seit Monaten ohne Schmerzen und Sorge. Auch das scheint dieser Ausdruck zu vermitteln.

Es ist ein Kommen und Gehen bei uns, unsere Familie kommt jetzt fast vollständig , auch gute Freunde und Nachbarn sind da um sich zu verabschieden. Im Nachhinein ist es gut, dass wir die letzte Nacht im Wohnzimmer geblieben sind, so ist er immer in unserem Lebensmittelpunkt.

Es fühlt sich schön an, dass alle Abschied nehmen wollen.

Eine Freundin stellt Essen vor die Türe, Irgendeiner kocht immer Kaffee.

Es tut gut zusammen zu sein und gleichermaßen brauche ich irgendwie Ruhe.

Um halb neun Abends verabschieden wir seinen Körper. Es ist traurig aber morgen werden wir ihn noch mal in der Leichenhalle sehen können. Das tröstet irgendwie.

Jeder bekommt die Zeit , die er braucht um ihn zu verabschieben.

Die Kinder kuscheln mit ihm, streicheln ihn und geben ihm Abschiedsküsse. Auch sie sehen, dass er glücklich aussieht. Es hat was von Magie.

Als ich an diesem Abend ins Bett gehe, bin ich leer und verrückter Weise schlafe ich tief uns traumlos. Es gibt 100 Sorgen und Ängste mehr als gestern noch aber eine gibt es weniger- die Sorge um Thomas.

Wir sind mit dem Bestattungsinstitut gegen Mittag verabredet.

Wir wollen den Sarg hübsch gestalten und es müssen Dinge und Dinge geklärt werden.

Es ist wie Therapeutisches Malen.

Jeder malt etwas auf, was er mit Thomas verbindet oder was Thomas einfach toll fand.

Es ist immer noch 30 Grad draußen und wir müssen immer wieder die Klimaanlage anmachen weil sonst der auftretende Leichengeruch zunimmt.

Es ist eine absurde Situation.

Er liegt im Sarg und wir bemalen ihn.

Trotzdem können wir an dem Tag auch etwas ausgelassen sein.

Wir erinnern uns all viele Dinge, tauschen uns aus und lassen unserer Kreativität freiem Lauf.

Nachdem das Kunstwerk fertig ist, wird der Sarg geöffnet. Wer möchte kann sich noch mal von Thomas verabschieden. Der Anblick tut weh aber man sieht, dass er seinen Körper verlassen hat. Die Magie von gestern ist nicht mehr zu sehen, es ist Leblosigkeit.

Ich habe die Bestatterin bei einem Hausbesuch kennenglernt und wusste damals schon, dass das Familienunternehmen das Richtige für uns sein könnte. Aber zu einem richtigen Gespräch vorher ist es nicht mehr gekommen. Also mussten wir noch viel klären.

Trauerkarten, Trauerredner, Termin für Bestattung, Art der Bestattung, Fingerabdruck Schmuckstücke vielleicht?

Es ist viel und auf einmal bekomme ich große Kopfschmerzen.

Thomas und ich haben nichts geklärt, ein handschriftliches Testament, indem ich Alleinerbin bin. Mehr liegt nicht vor.

Ich glaube die Energie, die er hatte steckte er in den Plan gesund zu werden. Auch über seine Beerdigung wollte er nicht sprechen. Einmal sagte er, er wäre froh wenn sich die Menschen an diesem Tag an ihn erinnern. Und, dass es ok wäre verbrannt zu werden, mit der Asche einen Baum anzufüttern und hier im Garten pflanzen.

Ich habe die Idee ein kleines Gartenhüttchen für ihn zu bauen um dort einen Ort zu haben um sich zu erinnern und Zeit mit ihm zu verbringen.

Die Idee gefällt ihm gut und den Kindern auch. Alles natürlich nur, im Falle des Falles..

Also planten wir das so.

Der Tag beim Bestatter ist anstrengend. Abends sitzen wir alle noch etwas draußen beisammen, Ich kann nicht mehr, ich muss rein, ich muss schlafen.

All die Zeit ist meine Schwester und eine wunderbare Freundin da. Sie schlafen hier, unterstützten die Kids und mich. Ca eine Woche.

Und auch dann kommt eigentlich immer jemand vorbei.

Die Bestattung findet erst im September statt. Ein großartiger Trauerredner hat erst dann Zeit.

Aber so habe ich etwas Zeit die Lokation zu suchen, die Trauerkarten zu gestalten und alles vorzubereiten.

Zuerst bin ich etwas enttäuscht so lange warten zu müssen aber am Ende ist es eigentlich gut so. Dem Prozess Zeit zu geben.

Ich besorge Schmuck um die Urne zu gestalten, ich rede mit dem Trauerredner, ich mache bereits Termine für meine Rentenanträge und beim Notar zur Erbscheineröffnung.

Alles muss auch irgendwie organisiert werden.

Und da ich alleine bin, muss ich es wohl auch machen.

Der Trauerredner kommt in der ersten Woche im September. Es ist immer noch heiß. Die Natur ächzt eigentlich nach Wasser.

Ich bin froh, dass es nicht regnet. Mit Regen wäre es unaushaltbar.

Er fragt nach Thomas. nach seiner Art zu leben, seinem Charakter, seinem Job, seiner Geschichte und unserer. Er fragt auch die Kids. Er ist klug und einfühlsam. Eine gute Kombination.

Hinterlasse einen Kommentar